Mehr als zwei Drittel der Fischer gehen auf Nordseekrabben-Fang im Wattenmeer. Umweltschützer fordern daher eine Modifikation der Fischerei. - Foto: dpa

Satellitendaten zeigen erhöhten Krabbenfang

WWF fordert ökologische Fischerei im Wattenmeer

Husum - Die Umweltstiftung „World Wide Fund For Nature“ (WWF) hat eine Änderung der Bewirtschaftung mariner Fischbestände gefordert. Für ein ökosystemgerechtes Fischerei-Management seien Modifikationen notwendig.

Das sei das Ergebnis einer Studie zur Verteilung der Krabbenfischerei im Wattenmeer, teilte der WWF gestern mit. Für den Report wurde sieben Jahre lang die Krabbenfischerei in den Schutzgebieten des Wattenmeeres und der Nordsee mittels Satellitendaten im Detail erfasst. Die Studie zeige, dass mehr als zwei Drittel der Fischerei innerhalb der Nationalparks seien, sagte WWF-Wattenmeerexperte Hans-Ulrich Rösner.

Die Umweltschützer fordern daher eine Modifikation der Bewirtschaftung mariner Fischbestände. Für ein ökosystemgerechtes Fischerei-Management seien Änderungen notwendig, sagte Rösner. Dafür will er aber die Fischer mit an Bord holen.

Die notwendigen Änderungen müssten schrittweise über eine Übergangszeit gemeinsam gestaltet werden. Ziel müsse es sein, das ökosystemgerechte Fischereimanagement gemeinsam so zu entwickeln, dass vielfältige und natürliche Ökosysteme wiederentstehen können und zugleich eine regionale und wirtschaftlich tragfähige Küstenfischerei erhalten bleibe, sagte Rösner.

„Überall, wo Krabben gefischt werden können, werden sie auch gefischt“, sagte Rösner. Die Untersuchungen hätten ergeben, dass in den empfindlichsten Gebieten der Nationalparks, dem eigentlichen Wattenmeer zwischen Inseln und Festland, ein gutes Viertel (26 Prozent) der Fischerei stattfindet. „In diesem Bereich ist die Befischung am stärksten in den Mündungsgebieten von Elbe und Eider, in den Tidebecken vor Büsum und der Meldorfer Bucht sowie in der Osterems und der Accumer Ee“, sagte Rösner. Selbst bestehende Regeln werden nicht eingehalten: „Das Kartenmaterial belegt, dass in Schleswig-Holstein sogar in dem einzigen kleinen Gebiet, das aufgrund des Nationalparkgesetzes völlig nutzungsfrei bleiben soll, gefischt wird.“

Die Krabbenfischerei durch Kutter mit einer Länge von unter zwölf Metern sowie durch ausländische Kutter blieben in der Untersuchung unberücksichtigt, da für sie keine Daten zur Verfügung standen. Laut WWF könne die Studie trotzdem Grundlage für eine Diskussionen über das Management der Schutzgebiete sein.

Krabbenfischer werfen ihre Netze in der zentralen und südlichen Nordsee entlang der Küsten von Belgien bis Dänemark in Wassertiefen von bis zu 40 Metern aus. Ihre Reviere erstrecken sich bis zu rund 30 Seemeilen (ungefähr 55 Kilometer) von Land. Die Krabbenfischer erwirtschaften rund ein Viertel der gesamten Erlöse in der deutschen Meeresfischerei. - dpa

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