Freiwillige Rückkehr

Puigdemont besucht JVA Neumünster

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Der katalanischer Separatistenführer Carles Puigdemont auf dem Weg in die JVA: Er brachte 100 Bücher katalanischer Autoren in deutscher Übersetzung für die Gefängnisbibliothek mit.

Kiel – „Moin Moin, Guten Morgen, Good Morning, Buenos Dias.“ Gut gelaunt kommt der katalanische Separatistenführer Carles Puigdemont am Montagvormittag aus dem Gefängnis in Neumünster. Er tritt vor die Medienvertreter: deutsche, spanische und katalanische. Etwa eine Stunde zuvor waren er und seine Begleiter durch das große Tor gegangen, freiwillig und bepackt mit gelben Tüten voller Geschenke.

Genau ein Jahr nach seiner Festnahme an der Autobahn A 7 und der Einlieferung in die JVA kommt Puigdemont zurück. Im Gepäck ein Dankeschön für die professionelle Art, wie er in Deutschland behandelt worden sei und 100 Bücher katalanischer Autoren in deutscher Übersetzung für die Gefängnisbibliothek.

Rückblende: Der mit europäischen Haftbefehl gesuchte Puigdemont kommt aus Finnland, er hat dort Gespräche im Parlament geführt und an der Universität Helsinki eine Rede gehalten. Finnland hat sich auf spanischen Antrag bereit erklärt, Puigdemont zu verhaften, doch kommt die Entscheidung zu spät. So kann der damals 55-Jährige mit dem Auto nach Deutschland einreisen. Die Sicherheitskräfte sind informiert. Kurz nach 11.15 Uhr erfolgt der Zugriff auf dem Pendlerparkplatz Jagel bei Schuby. In einem Kleintransporter mit abgedunkelten Scheiben wird der Katalane in die Justizvollzugsanstalt nach Neumünster gebracht. Die politischen und juristischen Folgen der Festnahme am 25. März 2018 sind groß. Dutzende Journalisten reisen in den hohen Norden, um über das Ereignis zu berichten. „Es gab wenige Stunden Schlaf, eine klirrende Kälte. Ich musste alle zwei Stunden ins Auto gehen, um mich zu wärmen“, berichtet Gabriel Herrero, Korrespondent des öffentlichen spanischen Rundfunks, Radio Nacional de España.

Gut gelaunt betritt Puigdemont das Gefängnis.

Es beginnt ein juristisches Tauziehen. Die spanische Justiz wirft Puigdemont unter anderem Rebellion vor, ihm drohen bis zu 30 Jahre Haft. Das Oberlandesgericht wird dies nach vier Monaten verwerfen und eine Auslieferung nur wegen Veruntreuung zulassen. Darauf verzichtet die spanische Justiz am 19. Juli, weil Puigdemont sonst nicht mehr in Spanien wegen Rebellion der Prozess gemacht werden dürfte. Mit dem Zurückziehen des europäischen Haftbefehls durch Spanien schließt die deutsche Justiz am 20. Juli die Akte Puigdemont.

Ostern 2018 ist juristisch aber noch nichts klar. Auf spanische Osterspeisen muss Puigdemont verzichten. „Normalkost“ steht für die Insassen der JVA auf dem Plan. Nach 13 Tagen, am 6. April, kommt er unter Auflagen frei.

Nun ist er zurück. Wenn auch nur für eine Stippvisite. Am Sonntagabend traf er sich nichtöffentlich zu einem privaten Abendessen in einem Hotel in Neumünster mit seinen damaligen Unterstützern, darunter Vertreter der Hamburger Ortsgruppe der Separatistenorganisation Katalanische Nationalversammlung (ANC). Am Montag sprach er vor den Gefängnistoren von Kultur, Zivilisation und Demokratie, erinnerte an Mitstreiter, die sich wegen der Unabhängigkeitsbestrebungen vor dem Obersten Gericht in Madrid verantworten müssen. Auch gegen Puigdemont liegt in Spanien nach wie vor ein nationaler Haftbefehl vor. Kehrt er in seine Heimat zurück, droht die sofortige Festnahme. Der Politiker hofft nun, dies durch ein Schlupfloch zu umgehen: Sollte er bei der Europawahl den Einzug ins EU-Parlament schaffen, wolle er den Schritt zurück nach Spanien wagen – denn als Europaabgeordneter würde er in der EU Immunität genießen. Noch am Montag kehrte Puigdemont nach Brüssel zurück, um weiter zu kämpfen, wie er sagte. Für ein unabhängiges Katalonien.

dpa

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