Gefahr lauert überall

Sicherheitstraining für 700 Straßenwärter soll der Unfallprävention dienen

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Dirk Kock hüpft bei einem Sicherheitstraining über einen Balken. Ein Sprung wie dieser kann dem Straßenwärter im Ernstfall das Leben retten. Denn er und seine Arbeitskollegen werden immer wieder in Unfälle verwickelt.

Rendsburg - Von André Klohn. In höchster Not hilft nur noch ein beherzter Sprung über die Leitplanke. Für Straßenwärter gehört die Gefahr zur Arbeit dazu. In Baustellen rauschen Autos und Lkw oft in kurzer Distanz an ihnen vorbei. „Ich habe in all den Jahren immer Glück gehabt“, sagt Dirk Kock. Und doch hört der 56-Jährige genau zu. Er absolviert mit knapp einem Dutzend anderer Straßenwärter aus dem Bundesland in Rendsburg einen Sicherheits- und Gesundheitsparcours.

Alle 700 Straßenwärter des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr sollen bis Ende 2019 das Sicherheitstraining absolviert haben. Denn immer wieder werden sie auch im Norden in Unfälle verwickelt. Ende vergangenen Jahres wurde ein Straßenwärter im Kreis Dithmarschen von einem Auto erfasst und tödlich verletzt, als er eine Unfallstelle auf der A 23 absichern wollte. Erst kürzlich wurde ein weiterer an einer Baustelle durch einen Auffahrunfall schwer verletzt.

Wenn sie an Baustellen arbeiten, warnen die Straßenwärter einander vor nahenden Lastern. „Einer muss auf den anderen aufpassen“, sagt Kock. Der Kieler ist seit knapp 40 Jahren im Dienst. Zu seinem Revier bei der Straßenmeisterei Westerrönfeld (Kreis Rendsburg-Eckernförde) gehören zwar keine Autobahnen, aber mehrere Bundesstraßen, darunter ein vierspuriger Abschnitt der B 77. Sein Team kümmert sich um 100 Kilometer Straße und Radwege. Im Winter sitzt er ab um 3 Uhr im Auto. „Ich schaue dann an bestimmten Punkten, ob es glatt ist und gestreut werden muss.“

Zum Kurs des Sicherheitstrainings in einer Halle der Deula gehören verschiedene Aufgaben. Kock rennt durch schwingende Reifen und muss dabei Aufgaben lösen. Er springt über einen gut einen Meter hohen Schwebebalken. Das ist vergleichbar mit einem Rettungssprung im Baustellenbereich über eine Absperrung. „Über Schutzplanken springen musste ich im Arbeitsalltag aber noch nicht.“

Nicht selten bekommen Kock und seine Kollegen den Ärger von Auto- und Lkw-Fahrern über Baustellen und Wartezeiten zu spüren. „Je länger sie warten müssen, desto genervter sind die Leute.“ Manch einer wolle dann „irgendwann den Frust ablassen“. Die Straßenwärter seien die Ersten, die diesen zu spüren bekommen. Einer seiner Kollegen sei von einem Autofahrer mit dem Wagen sogar leicht angestoßen worden.

Kock mag seinen Beruf trotzdem. „Ich mache den Job gerne.“ Der ist je nach Jahreszeit deutlich unterschiedlich. Im Frühjahr stehen Baumschnittarbeiten an, im Sommer das Mähen an den Straßenrändern und die Ausbesserung von Asphaltschäden. Im Herbst reinigen die Straßenwärter die Wege von Laub und Schmutz, im Winter streuen sie mit Sole oder Salz. Kock schätzt vor allem eines: „Man ist den ganzen Tag draußen.“ Und ein Ende ist nicht abzusehen: „Es gibt kein fertig.“

Doch der Job ist herausfordernd. Ziel des Trainings sei es, das Risikobewusstsein der Mitarbeiter zu erhöhen, sagt Torsten Conradt, Direktor des Landesbetriebs. Sie trainieren typische Situationen wie das korrekte Einschätzen von Entfernungen und der Geschwindigkeit von herannahenden Fahrzeugen. Rund 210.000 Euro lässt sich die Behörde die Kurse kosten.

Ein weiteres Ziel ist der Gesundheitsschutz. „Denn das ist ein gefährlicher Knochenjob“, sagt Fahrlehrer Dieter Mumm. Er gibt den Straßenwärtern Tipps zum Schutz vor Rückenproblemen und den richtigen Umgang mit dem Gehörschutz. Rund 150 Mitarbeiter haben das Training bereits absolviert.

dpa

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