Geflügelschere als Todeswaffe

30-Jähriger soll Mutter erstochen und Großmutter attackiert haben

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Eines Formfehlers wegen begann der Prozess erst gestern.

Lübeck - Von Eva-Maria Mester. Die 79-Jährige im Zeugenstand erinnert sich mit Schrecken, was ihr Enkel im Juli 2017 getan hat. „Ich sah, wie er wie im Rausch auf seine Mutter einstach. Um ihn zu stoppen, habe ich ihm eine Bratpfanne auf den Kopf geschlagen“, sagte sie vor dem Lübecker Landgericht

Dort hat am Mittwoch der Prozess gegen ihren 30-jährigen Enkel begonnen, der sich wegen Totschlags und versuchten Totschlags verantworten muss. Ihm wird vorgeworfen, seine damals 51-jährige Mutter mit einer Geflügelschere erstochen und seine Großmutter lebensgefährlich verletzt zu haben. Ein erster Prozess gegen den Vater von drei Kindern war vor rund zwei Wochen wegen eines Formfehlers geplatzt.

Aufgeregt, aber sachlich schilderte die Rentnerin, was sich am späten Abend des 14. Juli abgespielt hat. „Ich lag bereits im Bett, als ich meine Tochter schreien hörte: ,Ruf die Polizei, er bringt den Vater um‘. Ich lief ins Erdgeschoss und sah, wie mein Enkel auf seinen Vater drauf sprang und seine Mutter mit einem Schlag in den Flur schleuderte.“ Um der Tochter und dem schwer pflegebedürftigen Schwiegersohn zu helfen, habe sie dazwischengehen wollen. „Da hat mein Enkel auch mir einen Faustschlag ins Gesicht verpasst und mir ein Auge ausgeschlagen“, sagte sie. Rund 20-mal habe er auch auf die Großmutter eingestochen, heißt es in der Anklage.

„Ich hatte doch ein gutes Verhältnis zu meiner Mutter“

Der 30-Jährige bestritt, seinen Vater geschlagen zu haben. „Er war aus dem Bett gefallen und ich habe ihn wieder hineingelegt“, sagte er. Ansonsten habe er so gut wie keine Erinnerung an die Geschehnisse. Er habe Drogen genommen und auch ein Medikament gegen Fieber. An einen Streit könne er sich nicht erinnern, sagte er. „Ich hatte doch ein gutes Verhältnis zu meiner Mutter.“

Die Großmutter beschreibt ihren Enkel als einen Menschen mit zwei Gesichtern. „Er war freundlich, konnte aber auch aggressiv sein, wenn er mit seiner Mutter um Geld stritt“, sagte sie. Der gelernte Dachdecker lebte seit Jahren von staatlicher Unterstützung, die seine Mutter für ihn verwaltete. „Er hat immer noch mehr gefordert und seine Mutter hat immer alles für ihn getan“, sagte die Großmutter.

dpa

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