Ministerpräsident verteidigt Abweichen von der Abstandsregelung

Es geht um die Vorreiterrolle

Daniel Günther (CDU), Ministerpräsident Schleswig-Holsteins, hält es für dringend notwendig bei den Abstandsregeln für Windkraftanlagen mit Augenmaß vorzugehen. Foto: dpa

Kiel – Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther hat bei der Windenergie die Abweichung der Landesregierung von der 1 000-Meter-Abstandsregelung verteidigt. „Niemand bezweifelt, dass es eine Belastung ist, im unmittelbaren Umfeld von Windkraftanlagen zu leben“, sagte der CDU-Politiker in einem Interview. „Aber wenn wir unsere Stromversorgung dauerhaft sicherstellen wollen, wenn wir keine Atomkraftwerke und Kohlekraftwerke wollen, weil wir CO2-Belastung reduzieren wollen, dann wird es ohne erneuerbare Energien nicht funktionieren.“ Gleichzeitig forderte er vom Bund unter anderem bei der Offshore-Windkraft mehr Unterstützung.

Der windenergiekritische Verein Vernunftkraft hatte der Landesregierung einen unredlichen Umgang mit der 1 000-Meter-Regelung vorgeworfen. „Der Schwindel der Landesregierung ist unglaublich“, sagte die Landeschefin des Vereins, Susanne Kirchhof einem Onlineportal. Die Jamaika-Koalition aus CDU, FDP und Grünen sage nicht die Wahrheit, wenn sie öffentlich von 1 000 Metern Abstand spreche.

Denn im inzwischen dritten Entwurf der Windenergie-Regionalpläne für Schleswig-Holstein gelte zwar eine Abstandsregelung von Windanlagen zu Ortschaften von 1 000 Metern. Doch betreffe dies nur Windenergie-Vorranggebiete, in denen es bislang keine Windräder gebe – was nach Berechnungen des Vereins gerade einmal ein Fünftel der vorgesehenen Fläche ausmache. Insgesamt sind laut Landesregierung 340 Vorranggebiete mit knapp 32 000 Hektar vorgesehen. Nach Angaben des Vereins stehen jedoch nur auf 6 400 Hektar keine Rotoren. Auf 25 600 Hektar bleibe es daher bei 800 Metern Mindestabstand. Günther verwies darauf, dass Kritikern bereits entgegengekommen worden sei. „Wir nehmen durch größere Abstände mehr Rücksicht auf die Menschen: das Fünffache der Anlagen als Mindestabstand zu festen Ortschaften, 1 000 Meter bei neuen Gebieten.“ Andernfalls bestehe die Gefahr, dass es keine Versorgungssicherheit beim Strom gebe.

Die Forderung von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) nach einheitlich 1 000 Metern Mindestabstand hält Günther für falsch. „Wenn Bayern den zehnfachen Höhenabstand festlegt, kann es das gerne beschließen.“ Aber ein Land wie Schleswig-Holstein, das Vorreiter bei den erneuerbaren Energien sei, könne solche Regelungen nicht zulassen, weil das zu einem Rückschritt führen würde.

Der Regierungschef glaube, dass die Menschen von der Energiewende überzeugt werden könnten. „Wir denken sehr intensiv darüber nach, dass die Gemeinden noch stärker partizipieren, wenn sie Windkraftanlagen haben. Gerade die ländlichen Räume profitieren von der Wertschöpfung, die dort stattfindet.“ Dies sollte im Mittelpunkt stehen.  dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.