Vorwurf: Handynutzung

34-Jährige verstirbt nach Kollision - 72-Jähriger Unfallverursacher freigesprochen

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Unabhängig von der möglichen Handynutzung sei der Unfall nicht vermeidbar gewesen. 

Kiel – Die Handynutzung eines Autofahrers bei einem tödlichen Unfall auf der A7 bei Bad Bramstedt im Kreis Segeberg bleibt ohne strafrechtliche Folgen. Auch in der Berufungsverhandlung um den Unfalltod einer jungen Mutter sprach das Kieler Landgericht gestern den inzwischen 72-jährigen Autofahrer vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung frei.

Es sei nach Unfallgutachten und der Anhörung von Zeugen nicht auszuschließen, dass der Unfall – unabhängig von einer möglichen Handynutzung des Angeklagten – unvermeidbar gewesen sei, begründeten die Richter ihre Entscheidung nach Angaben eines Sprechers. Bereits das Amtsgericht Neumünster als erste Instanz kam zu dem gleichen Schluss. Die Reaktionszeit sei zu kurz gewesen.

Staatsanwaltschaft und der Witwer als Nebenkläger gingen dagegen davon aus, dass die Handynutzung des Autofahrers Mitte Januar 2017 zu dem Unfall führte. Sie hatten Berufung eingelegt und beantragten erneut, den Autofahrer wegen fahrlässiger Tötung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten zu verurteilen.

Die Vollstreckung sollte für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt und 5.000 Euro als Schmerzensgeld gezahlt werden. Außerdem sollte der Führerschein entzogen und erst nach einer Sperre von einem Jahr erneut beantragt werden dürfen. Der Verteidiger plädierte wieder auf Freispruch.

Zu der tödlichen Kollision kam es, als der Angeklagte bei Tempo 120 seinen Wagen nach einem Überholmanöver zurück auf die rechte Fahrspur lenkte und die junge Mutter ihr Auto mit einer Geschwindigkeit von rund 60 Stundenkilometern vom Standstreifen zurück auf die Fahrbahn lenkte.

Die 34-Jährige starb, ihr acht Monate alter Sohn überlebte mit leichteren Verletzungen.  

dpa

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