Oldies im Landtag: Justizministerin Anke Spoorendonk ist seit 20 Jahren dabei / Im kommenden Jahr ist Schluss

Das Gesicht der dänischen Minderheit

Die schleswig-holsteinische Justizministerin Anke Spoorendonk (SSW) und Ministerpräsident Torsten Albig (SPD). - Foto: dpa

Kiel - Von André Klohn. Politische Alleinkämpferin, erste Ministerin aus der dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein, Opfer einer Morddrohung: Anke Spoorendonk hat in 20 Jahren Landespolitik die komplette Spannweite erlebt und noch etwas mehr. Dabei war die Studienrätin für Deutsch und Geschichte aus Flensburg 1996 auf eine Legende der Landespolitik gefolgt. Ihr Vorgänger Karl Otto Meyer war 25 Jahre lang das Gesicht der dänischen Minderheit im Landtag, der einzige Abgeordnete des SSW.

Zwar hatte die Partei der dänischen Minderheit 1996 erstmals seit 40 Jahren wieder zwei Mandate errungen. Davon war allerdings kaum etwas zu spüren. Der zweite SSW-Abgeordnete Peter Gerckens wurde nach einem Unfall im Jahr darauf nicht mehr im Landeshaus gesehen. Die Pädagogin war somit die meiste Zeit alleine. Mit ihrem Fleiß glich sie manches aus. „Ich bin ein Arbeitstier“, sagt die heute 68-Jährige.

Nach dem engen Wahlausgang 2005 erlangte die zweifache Mutter plötzlich bundesweite Bekanntheit. Weil es für Rot-Grün unter Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) nicht reichte, wollte der SSW eine Minderheitsregierung tolerieren.

Doch auf einmal geriet der SSW selbst ins Visier, längst überwunden geglaubte Ressentiments gegen die von der Fünf-Prozent-Hürde befreite Partei keimten wieder auf. In Spoorendonks Posteingang landeten „hasserfüllte Mails“, wie sie sagt. „Das hatte ich so nicht erwartet, das war damals für mich schon heftig.“ Doch sie habe selbst eine Morddrohung nicht ernst genommen. Sie las den Text sogar im NDR vor. „Drei Minuten später rief die Polizei an“, sagt Spoorendonk.

Wochenlang stand sie unter Polizeischutz. „Das fand ich so schrecklich, das war wirklich ein Übergriff auf meine Privatsphäre“, sagt Spoordendonk. „Fast eine Wut“ habe sie darüber empfunden, in einem der sichersten Länder der Welt unter Polizeischutz stehen zu müssen. Dies sei die dunkelste Zeit ihrer politischen Arbeit gewesen. „Aber aus heutiger Sicht möchte ich auch diese Erfahrung nicht missen.“

Der Rest ist bekannt. Simonis scheiterte an einem Abweichler, der SSW blieb in der Opposition. Und nach der Landtagswahl 2012 bildete der SSW mit SPD und Grünen die „Küstenkoalition“. Mit fast 65 Jahren wird Spoorendonk Justizministerin und spürt nach Skandalen Gegenwind. „Daran musste ich mich erstmal gewöhnen“, sagt sie. Als Nicht-Juristin dieses Haus zu übernehmen ist nicht leicht. „Mit einem Mal ist man mitten drin und muss Rede und Antwort stehen“, sagt sie. Aber Spoorendonk ist Kämpferin. Sie stellt sich den kritischen Fragen und fuchst sich rein. Das honorieren auch politische Gegner.

Sie sei eine sehr angenehme Kollegin, die auch bereit sei, zu sagen, wenn sie mal etwas nicht wisse, „was im politischen Geschäft äußerst ungewöhnlich ist“, sagt FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki. Sie habe das Profil des SSW über die Grenzen Schleswig-Holsteins hinaus mit geprägt.

Und was war das schlimmste Erlebnis in 20 Jahren Landespolitk? „Ganz schrecklich“ habe sie die Einsparungen bei der Minderheit durch CDU und FDP in Erinnerung. „Die Diskussion damals fand ich verletzend.“ Darunter hätten auch politische Freundschaften gelitten.

2017 mit dann fast 70 Jahren will sie nicht mehr für den Landtag kandidieren. Ihr Mandat hatte sie bereits nach ihrer Vereidigung als Ministerin abgegeben. „Dass ich aufhöre, ist eine Selbstverständlichkeit“, sagt die SSW-Frau. Amtsmüde sei sie keineswegs. „Aber: Alles hat seine Zeit. Es kann nicht angehen, dass die Alten alles dominieren.“ - dpa

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