Giftmörder muss neun Jahre in Haft

Im Schwurgerichtssaal A wird der Prozess geführt. Foto: dpa

Weil er mit seinem Vermieter im Clinch lag, mischte ein 23-Jähriger bis zu 50 Tropfen Pflanzschutzmittel in dessen Wein. Eine tödliche Dosis. Nun gab es das Urteil.

Lübeck – Es sollte ein Denkzettel sein, doch der war tödlich: Aus Ärger über seinen Vermieter hat ein 23 Jahre alter Mann dem ungeliebten Hausbesitzer das Pflanzenschutzmittel E 605 in dessen Portwein gemischt. Der Vermieter trank davon und starb. Das Landgericht Lübeck verurteilte den geständigen Angeklagten gestern zu neun Jahren Haft wegen Mordes durch Unterlassen.

Mit ihrem Urteil folgten die Richter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Das Gericht begründete sein Urteil damit, dass der Angeklagte nach eigener Aussage kurz erwogen habe, die Flasche mit dem vergifteten Wein wegzuwerfen, bevor das Opfer daraus trank. Aus Angst vor der Reaktion des alkoholsüchtigen Vermieters habe er die Flasche dann doch im Wohnzimmer stehen gelassen. Das wertete das Gericht als Mord durch Unterlassen.

Der Angeklagte verfolgte die Urteilsverkündung wie schon die vorangegangenen Prozesstage mit gesenktem Kopf und verschränkten Händen. Der 23-Jährige hatte immer wieder betont, dass ihm die Tat leid tue und er seinen Vermieter nicht habe töten wollen. „Ich wollte niemals, dass er stirbt. Ich ging von Bauchschmerzen, Durchfall oder Erbrechen aus“, hatte der Deutsche gesagt.

„Auf der Flasche stand ,Achtung, Gift‘ und auf dem Etikett war ein Totenkopf abgebildet. Der Angeklagte musste wissen, dass es sich um ein Gift handelte“, so die Richterin. Aus Rache für angebliche Beleidigungen und Beschimpfungen durch den Vermieter hatte der junge Mann am Abend des 18. Februars das Mittel in den Wein gekippt und die Flasche zurück an ihren Platz gestellt.

Zwei 19 Jahre alte Mitangeklagte, die ebenfalls in dem Haus des 56-jährigen Vermieters wohnten, wurden zu Jugendstrafen von jeweils einem Jahr auf Bewährung verurteilt. „Sie haben mitbekommen, dass der Hauptangeklagte Gift in den Wein schüttete“, so die Richterin.

Staatsanwaltschaft und Verteidiger verzichteten noch im Gerichtssaal auf Rechtsmittel. Der Anwalt der Nebenkläger äußerte sich nicht. Er hatte für den 23-Jährigen lebenslange Haft wegen Mordes gefordert.  dpa

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