Arbeitsagentur: Umdenken für Menschen mit Behinderung

Die gleichen Chancen für alle

An einem Arbeitsplatz für Motorklemmen ist ein Mitarbeiter, der im Rollstuhl sitzt, mit Montagearbeiten beschäftigt. Foto: dpa

Kiel – Von den arbeitslosen Menschen mit Behinderung im Land haben gut 51 Prozent eine abgeschlossene Berufsausbildung. Das geht aus Zahlen der Agentur für Arbeit hervor. Bei allen Erwerbslosen betrage die Quote nur 38,6 Prozent. „Wir müssen angesichts der Themen demografische Entwicklung und Fachkräftesicherung alle Wege nutzen, um die Erwerbsquoten unterschiedlicher Gruppen im Land zu erhöhen“, sagte die Regionalchefin der Arbeitsagentur, Margit Haupt-Koopmann. „Menschen mit Handicap gehören dazu.“ Besonders diese Gruppe benötige Brücken in den Arbeitsmarkt.

Derzeit sind im Land den Angaben zufolge nach einem Rückgang im Vorjahresvergleich um rund 300 knapp 4 600 Menschen mit Handicap ohne festen Job, bei 80 400 Arbeitslosen insgesamt. Der Anteil der Schwerbehinderten an allen Arbeitslosen sei um 0,1 Punkte auf 5,7 Prozent gesunken. Gut 1 800 Behinderte ohne Job seien langzeitarbeitslos. Das entspreche einem Anteil von fast 40 Prozent. Bei allen Arbeitslosen seien es etwa 31 Prozent.

Haupt-Koopmann rief dazu auf, eine häufig an vermeintlichen Defiziten orientierte Wahrnehmung von Behinderten zu verändern. „So können wir die Ressourcen und Talente erkennen, die Menschen mit Behinderung besitzen.“ Diese müssten noch immer gegen Vorbehalte und Vorurteile ankämpfen, die sich negativ auf ihre Beschäftigungschancen auswirken. Zu bedenken sei auch, dass in einer älter werdenden Gesellschaft generell der Anteil der Menschen mit Behinderung zunehme, auch unter den Beschäftigten. „Menschen mit Handicaps sind gerade nach längerer Arbeitslosigkeit besonders motiviert, häufig seltener krank, lebenserfahren und wichtige Multiplikatoren für die positive Vermarktung eines Unternehmens“, sagte Haupt-Koopmann. Und weiter: „Wir müssen insbesondere die rund 1 400 privaten Arbeitgeber mit sogenannten Pflichtarbeitsplätzen ohne beschäftigte schwerbehinderte Menschen davon überzeugen, dass nicht die Zahlung der Ausgleichsabgabe, sondern die Einstellung eines motivierten Arbeitslosen mit Behinderung eine Investition in die Zukunft ist.“

Private und öffentliche Arbeitgeber mit mindestens 20 Beschäftigten sind gesetzlich verpflichtet, fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze mit schwerbehinderten Menschen zu besetzen. Wer die Quote nicht erfüllt, muss eine Ausgleichsabgabe zahlen. Gut ein Viertel der Betriebe, die Schwerbehinderte beschäftigen müssten, täten das nicht. Von 29 400 Pflichtarbeitsplätzen waren im Jahr 2017 knapp 7 600 nicht besetzt. Dennoch wurden insgesamt 27 300 Schwerbehinderte beschäftigt, da Betriebe ihre Quote auch übererfüllt hatten. Die Beschäftigungsquote bei Schwerbehinderten lag mit 4,4 Prozent unter dem Bundesschnitt, der 4,6 Prozent betrug.  dpa

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