Viele Lehrstellen bleiben unbesetzt

Goldener Oktober auf dem Arbeitsmarkt in Schleswig-Holstein

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Der Arbeitsmarkt im Norden zeigt sich nach wie vor in guter Verfassung. Die Zahl der Arbeitslosen sinkt weiter – Ausbildungsplätze bleiben weitgehend unbesetzt.

Kiel - Die Herbstbelebung auf dem Arbeitsmarkt hat sich in Schleswig-Holstein im Oktober fortgesetzt. Derzeit sind im nördlichsten Bundesland 78 600 Menschen ohne festen Job und damit 10,2 Prozent weniger als vor einem Jahr. Anders sieht es auf dem Lehrstellenmark im Land aus – hier ist noch Luft.

Arbeitsmarkt

Die Zahl der Arbeitslosen sank im Oktober gegenüber dem Vormonat um 1,6 Prozent, ermittelte die Agentur für Arbeit. Die Arbeitslosenquote betrage nun fünf Prozent, nach 5,7 Prozent vor einem Jahr. Die aktuelle Zahl der Arbeitslosen sei die niedrigste in einem Oktober seit 1991.

Im Vorjahresvergleich hätten alle Alters- und Personengruppen von der robusten Arbeitsmarktlage profitiert, sagte Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit. Überdurchschnittlich stark ging die Jugendarbeitslosigkeit zurück. „Die Betriebe haben auch im Oktober die Chance genutzt und unter anderem jene jungen Fachkräfte einzustellen, die nach ihrem erfolgreichen Ausbildungsabschluss nicht übernommen wurden und daher kurzfristig in den Sommermonaten arbeitslos waren.“

Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs ist weiter gestiegen – nach den aktuellsten offiziellen Daten vom August im Vorjahresvergleich um 2,3 Prozent auf 997 200. Hochrechnungen ergaben, dass im September die Millionengrenze überschritten wurde. Kräftige Zuwächse verbuchten besonders das Gesundheits- und Sozialwesen, die Industrie, der Handel, Sozialversicherungen, die öffentliche Verwaltung und das Baugewerbe. Für den November ist aus jahreszeitlichen Gründen wieder mit einer Zunahme der Arbeitslosigkeit zu rechnen.

Unter den Kreisen steht Stormarn mit einer Arbeitslosenquote von 3,1 Prozent weiter am besten da. Den höchsten Wert hat Dithmarschen mit 5,4 Prozent. Bei den kreisfreien Städten schwankt die Quote zwischen 7,3 Prozent in Lübeck und 7,7 Prozent in Neumünster sowie in Flensburg. Arbeitsmarktminister Bernd Buchholz (FDP) zeigte sich mit den Arbeitslosenzahlen hoch zufrieden: „Wir können den niedrigsten Wert in einem Oktober seit 27 Jahren vermelden.“

Lehrstellenmarkt

Auf dem Ausbildungsmarkt ist noch Luft. Ende September waren noch knapp 2 000 Bewerber ohne Ausbildungsvertrag, berichtete die Agentur für Arbeit am Dienstag. Etwa die gleiche Zahl von Lehrstellen blieb zu dem Zeitpunkt unbesetzt. Den Angaben zufolge hatten sich von Oktober 2017 bis September 2018 18 704 Jugendliche in den regionalen Arbeitsagenturen als Bewerber gemeldet. Zugleich wurden 19 818 Ausbildungsplätze angezeigt. In diesem Jahr haben laut Arbeitsagentur 470 Flüchtlinge eine duale Ausbildung begonnen und damit 47,3 Prozent mehr als im Vorjahr.

„Die aktuell laufenden Nachvermittlungsaktionen von Arbeitsagenturen und Kammern zeigen, dass noch gute Aussichten bestehen, bis zum Jahresende einen Ausbildungsplatz zu finden“, sagte Haupt-Koopmann. Sie rief die Jugendlichen auf, keine Chancen zu verschenken: „Konzentriert Euch nicht auf einen Wunschberuf! Seid flexibel!“ Bei regionaler Mobilität gebe es unter den rund 2 000 unbesetzten Plätzen interessante Alternativen. Einstiegschancen böten vor allem der Einzelhandel, das Hotel- und Gaststättengewerbe sowie das Handwerk.

„Der Ausbildungsmarkt ist noch bis Ende des Jahres in Bewegung“, sagte Haupt-Koopmann. An die Betriebe, die freie Ausbildungsplätze bisher nicht besetzt haben, appellierte sie, flexibel zu sein. „Schauen Sie sich auch Jugendliche an, die Sie nicht auf den ersten Blick überzeugen!“

Zudem sollten die Betriebe auch attraktive Angebote für Abiturienten machen. So gebe es noch fast 100 Bewerber, die Fachinformatiker werden wollen. 

dpa

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