Politiker spricht von großer moralischer Verantwortung

Günther in Namibia

Daniel Günther (l.) steht neben Hage Geingob, Präsident der Republik Namibia. Foto: Patrick Kraft/Staatskanzlei Kiel/dpa

Windhuk – Bundesrats- und Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hat bei seinem Besuch in Namibia die besondere Verantwortung Deutschlands als frühere Kolonialmacht betont. „Wir Deutsche haben eine große moralische Verantwortung, die wir übernehmen müssen aus den Zeiten der Kolonialherrschaft hier, wo wir viel Leid über dieses Land gebracht haben“, sagte er am Montag nach einem Gespräch mit Namibias Präsident Hage Geingob. Eine große Hoffnung sei spürbar, dass Deutschland und Namibia in den Gesprächen zur Aufarbeitung der Vergangenheit zu einem guten und gemeinsamen Ende kommen könnten.

In Namibia, dem früheren Deutsch-Südwest-Afrika, war das Deutsche Reich von 1884 bis 1915 Kolonialmacht. Die Volksgruppe der Herero hat vom Bundestag eine Entschuldigung für die von Deutschen begangenen Verbrechen verlangt. Kolonialsoldaten hatten Zehntausende Herero und Nama getötet. Deren Nachfahren fordern von der Bundesrepublik Deutschland auch eine finanzielle Wiedergutmachung. Die Bundesregierung war erst im Jahr 2015 dazu bereit, angesichts der weitgehenden Vernichtung beider Volksgruppen von Völkermord zu sprechen. Die Bundesregierung hat Entschädigungszahlungen abgelehnt.

Günther sagte, er habe im Gespräch mit Namibias Präsident Geingob deutlich gemacht, „dass uns sehr daran liegt als Deutsche, hier eine einvernehmliche Lösung hinzubekommen. Denn wenn wir in Zukunft vieles gemeinsam machen wollen, dann geht es nur, wenn auch die Vergangenheit untereinander geklärt ist.“ Bei der sprachlichen Bewertung der Geschichte stehe man kurz davor, gemeinsame Formulierungen zu finden. Jetzt gehe es noch um einige Fragen, „was durchaus auch die Finanzen berührt“. Zu den von Hereros und Namas geforderten Wiedergutmachungszahlungen äußerte sich Günther nicht.

In dem „beeindruckenden, sehr offenen Gespräch“ sei es auch um stärkere Investitionen deutscher Firmen in Namibia gegangen. Der Wunsch Namibias, die Besitzverhältnisse im Lande gerechter zu gestalten, werde von deutscher Seite absolut respektiert. Denn noch immer gebe es große Unterschiede zwischen Schwarzen und Weißen.

Die einwöchige Reise zunächst nach Angola und dann nach Namibia geht am Donnerstag zu Ende. Zu Günthers Delegation gehören auch Vertreter der Wirtschaft.  dpa

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