Politiker aus dem Norden mischen im Bund kräftig mit – das Jahr 2018 hatte es in sich

Habeck verleiht Flügel

Robert Habeck, Vorsitzender der Grünen, ist mittlerweile einer der wichtigsten Politiker im Norden. Auch andere Amtskollegen sind in den Blickpunkt gerutscht. - Foto: dpa

Kiel - Wie nur selten ist Schleswig-Holstein in dem zu Ende gehenden Jahr deutschlandweit politisch in den Blickpunkt geraten – auch ganz ohne Landtagswahl. Gleich mehrere Politiker erregten viel Aufmerksamkeit:

Der Grüne Überflieger

Robert Habeck hat den Grünen Flügel verliehen. Umfragen sehen die Partei mittlerweile als zweitstärkste Kraft in Deutschland. Habeck klettert im ZDF-„Politbarometer“ in der Liste der wichtigsten Politiker im Sauseschritt auf Platz 2. Er ist seit dem 27. Januar Vorsitzender der Grünen. Mit der Bundestagsabgeordneten Annalena Baerbock an seiner Seite surft Habeck seitdem auf der Erfolgswelle, gute Laune und Zuversicht verbreitend. Überregionale Medien reißen sich um den 49-Jährigen. Als Landwirtschafts- und Umweltminister in Kiel beerbt ihn zum 1. September der langjährige Europaabgeordnete Jan Philipp Albrecht (Grüne). Der 35-Jährige reicht im öffentlichen Auftritt noch nicht an Habeck heran.

Der CDU-Aufsteiger

Mit dem Wahlsieg und der Bildung einer Jamaika- Regierung mit Grünen und FDP machte Daniel Günther schon 2017 Furore. 2018 rückt er noch höher in der CDU-Hierarchie. Im Juni „adelt“ ihn Kanzlerin Angela Merkel: Sie holt Günther (45) im Asylstreit mit der CSU in ihre engste Beraterrunde. Er hatte mit einem langen Interview im „Heute journal“ des ZDF überzeugt. Zum Krisentreffen kommt er im Trikot. Später eröffnet Günther die erste Regionalkonferenz zur Findung der Merkel-Nachfolge an der CDU-Spitze und leitet die Abstimmung mit der Wahl Annegret Kramp-Karrenbauers. Dass die CDU die Kommunalwahl gewinnt und Günther als Landesvorsitzender wiedergewählt wird, fällt da weniger auf.

Mutige SPD-Frauen

Simone Lange, damals bundesweit unbekannte Oberbürgermeisterin in Flensburg, kündigt im Februar überraschend an, gegen Andrea Nahles für den SPD-Bundesvorsitz zu kandidieren. Lange (42) hat gegen Nahles keine Chance, hält sich mit 27,6 Prozent aber achtbar. Ende August rückt eine weitere SPD-Frau vor. Fraktionsvize Serpil Midyatli (43) gibt ihre Kandidatur für den Landesvorsitz bekannt, der 2019 neu zu besetzen ist. Midyatli verblüfft damit Amtsinhaber Ralf Stegner (59). Er hatte noch nicht erklärt, ob er wieder antritt. Nach ein paar Tagen verkündet er seinen Verzicht. So wird nach zwölf Jahren eine Ära mit Stegner an der Spitze enden.

Die Skandal- und Pleitebank

Schleswig-Holstein und Hamburg werden in diesem Jahr ihre größte Last los – zu einem enorm hohen Preis. Am 28. Februar wird in Kiel der Vertrag über den Verkauf des Instituts an amerikanische Finanzinvestoren unterzeichnet. Preis: eine Milliarde Euro. Doch die Länder müssen ein Vielfaches draufzahlen, da sie als bisherige Eigentümer für verlustreiche Geschäfte einzustehen haben. Nach Zustimmung durch EU und Bankenaufsicht wird der Verkauf im Dezember perfekt – verbunden mit dem Abbau von Hunderten weiteren Jobs. Milliardenkosten werden beide Länder noch Jahre belasten.

Der prominente Gefangene

Die Welt reibt sich die Augen: Am 25. März nehmen Polizisten den katalanischen Separatistenführer Carles Puigdemont auf dessen Rückreise aus Skandinavien an der Autobahn 7 fest. Der Politiker kommt nach Neumünster ins Gefängnis. Grundlage ist ein von Spanien erwirkter europäischer Haftbefehl. Die internationale Presse hat tagelang einen Fokus auf die Stadt, mit deren Namen ausländische Reporter hörbar erhebliche Probleme haben. Nach zehn Tagen kommt Puigdemont unter Auflagen frei. Im Juli hebt das Oberlandesgericht in Schleswig den Auslieferungshaftbefehl gegen Puigdemont auf, der dann Ende des Monats Deutschland wieder verlässt.

Die verdrängte AfD-Frau

Die AfD im Landtag wirft Anfang Dezember die Landesvorsitzende Doris von Sayn-Wittgenstein aus der Fraktion. Als Grund nennt sie frühere werbende Äußerungen der Politikerin über einen Verein, den der Verfassungsschutz Thüringen als rechtsextrem eingestuft hat. Er steht auf der „Unvereinbarkeitsliste“ der AfD. Die dem rechtsnationalen Flügel der AfD zugerechnete Sayn-Wittgenstein sagt, sie habe sich nichts zuschulden kommen lassen. Doch der Bundesvorstand beschließt ein Parteiausschlussverfahren gegen die 64-Jährige. Die Parteispitze versagt ihr bis zur Entscheidung des Schiedsgerichts „vor dem Hintergrund mutmaßlich strafrechtlich relevanter Vorgänge“ auch die Ausübung aller Parteiämter. - dpa

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