Umweltminister scheitert bei Urwahl der Grünen mit nur 75 Stimmen Rückstand

Habeck zeigt Größe in seiner Niederlage

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Trotz seiner knappen Niederlage bei der Urwahl der Grünen hat sich Robert Habeck für die Bundespolitik empfohlen.

Berlin/Kiel - Nach seinem extrem knappen Sieg im Kampf um die Grünen-Bundestagswahl-Spitzenkandidatur lobte Parteichef Cem Özdemir den Unterlegenen in höchsten Tönen: „Das Ergebnis ist ein klares Zeichen, dass Robert Habeck in der Partei benötigt wird und eine wichtige Rolle spielen wird.“

Als krasser Außenseiter aus der norddeutschen Randlage in die bundesweite Urwahl der Grünen gestartet, musste sich Umweltminister am Ende Özdemir nur äußerst knapp geschlagen geben – mit 75 Stimmen weniger bei rund 59 .000 Stimmabgaben. Der dritte der drei männlichen Konkurrenten, Anton Hofreiter lag deutlich zurück. Katrin Göring-Eckardt als einzige weibliche Kandidatin war quasi gesetzt.

Von der Bundesbühne muss Habeck nach dem Ergebnis nicht abtreten. Zumal Habeck mit 47 Jahren noch jung ist. Als Bundesparteivorsitzender will Habeck Özdemir erst einmal wohl nicht beerben – zumindest wollte er dies nicht, als die Urwahl für die Bundestagsspitzenkandidatur noch lief. Auf entsprechende Anspielungen Özdemirs sagte er nur, dessen Job wolle er nicht.

Größe und Gelassenheit

In der Niederlage zeigte Habeck gestern Größe und Gelassenheit. „Das war ‘ne knappe Kiste. Aber solche knappen Kisten sind das Wesen von Demokratie“, sagte er. „Deshalb: Großen Glückwunsch an Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir! Jetzt geschlossen für ein starkes Ergebnis! Volle Unterstützung für die beiden und für uns.“ Er dankte allen von ganzem Herzen, „die mir ihre Stimme gegeben haben, die mich in den letzten zwei Jahren unterstützt haben, mit Rat und so häufig auch mit Tat! Es war mir Ehre und Freude! Das war es wert.“

Zu seinen weiteren politischen Ambitionen verriet er fast nichts: „Ich werde jetzt meine Kraft zu 120 Prozent Schleswig-Holstein widmen. Cem und Katrin und dem Bundesverband stehe ich natürlich auch zur Verfügung, wenn ich im Bundestagswahlkampf helfen kann.“

Habeck hatte aus der Sicht eines Berufspolitikers vabanque gespielt – ohne Netz und doppelten Boden. Er verzichtete auf einen Listenplatz für die Landtagswahl und auch – im Fall der Urwahl-Niederlage– auf eine Bundestagskandidatur.

Habeck ist beliebtester Politiker im Land

Und seinen derzeitigen Job als Minister in Schleswig-Holstein? Im Falle einer Regierungsbeteiligung der Grünen nach der Landtagswahl im Mai ist Habeck quasi als Minister gesetzt. Er gilt als beliebtester Politiker im Land. Ministerpräsident Torsten Albig sagte gestern, „dass ich mich sehr freuen würde, gemeinsam mit ihm weiter für unser Land erfolgreich rot-grün-blaue Politik zu machen.“ Aber zuletzt sah eine Umfrage für die Koalition erstmals keine Mehrheit mehr.

Entweder als Spitzenkandidat der Grünen nach Berlin oder gar nicht, lautete Habecks Linie. Was hat den studierten Philosophen und Schriftsteller dazu motiviert? Der 47-Jährige möchte die Partei so aufstellen, dass sie für breitere Kreise wählbar wird. „Gesellschaftspartei“ soll sie werden, „Orientierungspartei“. Die Urwahl sollte nach Einschätzung Habecks darüber entscheiden, wie die Partei in Zukunft sein soll. „Mein Angebot besteht darin, dass wir Gesellschaftspartei werden und unseren Anspruch thematisch, aber auch milieumäßig erweitern“, hatte Habeck im Vorfeld geäußert und in seinem Buch „Wer wagt, beginnt“ thematisch entfaltet.

Die Grünen dürften sich nicht nur für einige Dinge zuständig fühlen: „Es ist Zeit, für die Gesellschaft und den Zusammenhalt Verantwortung zu übernehmen“, sagte der Umweltminister. 

dpa

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