Frau nahm Tod ihres Mannes in Kauf

Haft wegen Giftmord-Versuchs

Lübeck - Von Eva-Maria Mester. Im Prozess um einen versuchten Giftmord hat das Lübecker Landgericht die Angeklagte zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Die Angeklagte hatte gestanden, ihrem damaligen Ehemann am 15. August 2015 Samen des Zerberusbaums (Cerbera odollam) ins Chili con Carne gemischt zu haben.

Sie hatte bis zuletzt aber beteuert, sie habe ihren Mann nicht töten wollen. „Es sollte ihm nur mal richtig schlecht gehen, so wie es mir in unserer Ehe gegangen ist“, hatte sie ausgesagt. „Als Floristenmeisterin wusste die Angeklagte, um was für ein hochwirksames Gift es sich gehandelt hat“, sagte Richter Christian Singelmann in der Urteilsbegründung. 

Wenn es ihr darum gegangen wäre, dass es ihrem Mann mal richtig schlecht gehen sollte, dann hätte sie das auch mit einer Überdosis Abführmittel erreichen können, sagte der Richter. Sie habe sich bewusst für das gefährliche Pflanzengift entscheiden, von dem sie wusste, dass es schwer nachzuweisen ist, sagte er. „Damit hat sie heimtückisch gehandelt und den Tod ihres Mannes billigend in Kauf genommen.“

Angeklagte ohne Regung

Weitgehend ohne erkennbare Regung nahm die 50-jährige Angeklagte das Urteil auf. Augenkontakt mit ihrem früheren Ehemann, der ihr als Nebenkläger gegenüber saß, vermied sie. Die Eheleute, die erst kurz vor der Tat geheiratet hatten, sind inzwischen geschieden. Beide haben neue Partner. „Doch dem Nebenkläger fällt es noch immer schwer, seiner jetzigen Ehefrau völlig zu vertrauen“, sagte Richter Singelmann.

Das Opfer litt mehrere Tage unter schweren Vergiftungssymptomen wie Erbrechen, Durchfall und Sehstörungen, überlebte den Anschlag aber. Die auch Selbstmordbaum genannte Pflanze enthalte Herzglykoside, die innerhalb von Stunden zum Tod durch Herzstillstand führen könnten, hatte eine Toxikologin ausgesagt. Der Nachweis des verabreichten Gifts war sehr schwierig. Erst ein Hinweis des Opfers, das den Computer seiner Frau ausspioniert und Suchanfragen zur Nachweisbarkeit von Cerbera odollam entdeckt hatte, half weiter.

Motiv aus mehreren Gründen

Als Motiv nannte das Gericht gleich mehrere Gründe. Die Angeklagte hätte sich in einen anderen Mann verliebt, sei in ihrer Ehe unzufrieden gewesen und habe wohl auch Angst vor dem Gesichtsverlust und den finanziellen Folgen einer Scheidung gehabt, sagte der Richter.

Mit dem noch nicht rechtskräftigen Urteil folgten die Richter im Wesentlichen dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die hatte eine Haftstrafe von vier Jahren gefordert. Die Verteidigung hatte eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren wegen gefährlicher Körperverletzung beantragt.

dpa

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