Empfehlung des Internationalen Rats für Denkmalpflege

Haithabu und Danewerk sollen Teil des Unesco-Welterbes werden

+
Die jüngsten Grabungsarbeiten an der ehemaligen Militäranlage Danewerk schlossen Archäologen im Jahr 2014 ab. Damals stand der Erhalt der Mauer im Vordergrund.

Kiel - Die Wikingerstätte Haithabu und das Grenzbauwerk Danewerk stehen vor der Aufnahme in die Welterbeliste der Unesco. Der Internationale Rat für Denkmalpflege (Icomos) hat dem Welterbekomitee der Unesco empfohlen, beide Stätten in die Liste einzutragen, gab das Kulturministerium in Kiel bekannt.

Das Komitee entscheidet auf seiner Sitzung in Bahrain vom 24. Juni bis 3. Juli. Bisher ist Schleswig-Holstein auf der Welterbeliste mit dem Nationalpark Wattenmeer und der Hansestadt Lübeck vertreten.

„Diese Nachricht begeistert die Landesregierung ebenso wie unser Archäologisches Landesamt, das seit 14 Jahren an der Anerkennung arbeitet“, sagte Kulturministerin Karin Prien (CDU) zum Icomos-Votum. „Wir gratulieren zu dieser ungemein wichtigen Etappe auf dem Weg zum Weltkulturerbe, die unser kulturelles Erbe rund um den wikingerzeitlichen Handelsknotenpunkt Haithabu und die Wallanlagen des Danewerks jetzt bereits weltweit würdigt.“

Denkmalkomplex ist 33 Kilometer lang

Der bedeutende Seehandelsplatz Haithabu aus der Wikingerzeit und das Danewerk liegen bei Schleswig an einer historischen Engstelle zwischen der Schlei und den Niederungen der Nordsee. Zwischen dem 8. und dem 11. Jahrhundert befanden sie sich im Zentrum der Handelsnetze zwischen Nord- und Westeuropa. Der Denkmalkomplex ist 33 Kilometer lang.

Der Welterbeantrag wurde seit einem Landtagsbeschluss 2004 vom Archäologischen Landesamt vorbereitet. Einen gemeinsamen Antrag mit Island, Dänemark, Lettland und Norwegen wies das Welterbekomitee 2015 zur weiteren Überarbeitung zurück. Der Antrag wurde dann nicht mehr verfolgt. Stattdessen bekam 2016 das Archäologische Landesamt den Auftrag, einen neuen Antrag zu erarbeiten. - dpa

Historischer Hintergrund

Die Befestigungsanlage Danewerk und der Handelsplatz Haithabu gehören zu den bedeutendsten archäologischen Zeugnissen Nordeuropas. In der Wikingerzeit vor mehr als 1 000 Jahren trafen bei Schleswig – in der Grenzregion zwischen Skandinavien und Mitteleuropa – Dänen, Friesen, Sachsen und Slawen aufeinander. Dänische Könige sicherten mit dem Danewerk als Grenzbefestigung die Südgrenze ihres Reichs und den Handelsweg zwischen Nord- und Ostsee. Das Danewerk bestand aus Erdwällen, Mauern, Gräben und einem Sperrwerk in der Schlei. Es gilt als größtes Bodendenkmal Nordeuropas.

Die Wikingerstadt Haithabu mit Hafen lag am Haddebyer Noor, einem Seitenarm der Schlei. 1897 wurde sie wiederentdeckt, die ersten Ausgrabungen begannen um 1900. Heute sind große Teile des Danewerks und ganz Haithabu Naturschutzgebiete. - dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.