Fehlende Notfallkonzepte bemängelt

Hebammen auf Protesttour

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Der Protest der Hebammen ist nicht neu – bereits im März 2014 hieß es „Keine Hebamme = Keine Kinder für Deutschland“.

Westerland/Kiel - Von Birgitta von Gyldenfeldt. Hohe Haftpflichtprämien, Nachwuchsmangel, fehlende Notfallkonzepte und geschlossene Kreißsäle: Hebammen in Schleswig-Holstein und ganz Deutschland haben mit diversen Problemen zu kämpfen. Um auf ihre Situation aufmerksam zu machen, tourt der Deutsche Hebammenverband kurz vor der Bundestagswahl durch das Land.

Am Montag machten die Geburtshelferinnen in Kiel Station. Die Hebammen appellieren mit der Aktion an die Bundestagskandidaten, in der kommenden Legislaturperiode die Versorgung mit Hebammenhilfe sicherzustellen und die Arbeitssituation von Hebammen zu verbessern. Die Verbandsvorsitzende in Schleswig-Holstein, Anke Bertram, fordert valide Zahlen für die weitere Diskussion um die Geburtshilfe: „Damit wir genau wissen, wo und wie wir gezielt ansetzen müssen“. Denn derzeit wisse niemand genau, wie viele Hebammen arbeiten und vor allem wie: als Beleghebamme oder fest angestellt an einer Klinik; als Geburtshelferin, in der Vor- und Nachbetreuung. „Dann brauchen wir eine Veränderung der Abrechnungsmodalitäten, damit die Geburtshilfe wirtschaftlich wieder attraktiver wird, um eine wohnortnahe Versorgung zu gewährleisten“, sagt Bertram. Sie hofft, dass die derzeitige Schließungswelle geburtshilflicher Abteilungen gestoppt wird.

Gesundheit und Geburtshilfe im Wahlkampf kein Thema

Das Thema Gesundheit im Allgemeinen und besonders die Geburtshilfe komme im Wahlkampf so gut wie gar nicht vor, sagte Bertram. Zwar habe jeder in seinem Leben mindestens einmal mit einer Hebamme zu tun gehabt, aber sie werde nur in einem kleinen Zeitabschnitt gebraucht und dann nicht mehr. „Deswegen hört uns keiner“, meint Bertram. Vielleicht liege es auch daran, dass es Hebammen schon immer gegeben habe und sie und ihre Arbeit von vielen als selbstverständlich erachtet werden. Aber, warnt Bertram: „Wir sind auf dem besten Weg dahin, dass ein Berufsstand mit langer Tradition langsam ausstirbt.“

Noch gebe es zwar ausreichend Hebammen, sagt die Sylterin. „Aber die meisten arbeiten nicht in vollem Umfang und meist auch in Teilzeit.“ Die Arbeitbelastung sei sehr groß und die Vergütung schlecht. „Und solange mit einem anderen Job mehr Geld zu verdienen ist, macht man diesen nebenbei.“ Bertram selbst hat 30 Jahre Berufserfahrung und Staatsexamen, aber ebenfalls einen Zweitjob: Sie bot in einem Fastenhaus Colon-Hydrotherapie – eine Art Darmspülung – an, weil das zusätzlich zu besseren Arbeitsbedingungen besser vergütet war.

„Bedingungen für schwangere Frauen nicht hinnehmbar“

Ein weiteres Problem sei die flächendeckende Versorgung mit Geburtshilfeeinrichtungen. „In den letzten Jahren haben viele Kliniken geschlossen und gerade hier oben in Nordfriesland mit der Inselsituation sind die Bedingungen für schwangere Frauen nicht hinnehmbar“, findet die Sylter Hebamme. Das Rettungskonzept funktioniere noch nicht richtig. Speziell für Sylt gebe es zwar einen Hebammenruf – da es für diesen aber noch kein tragfähiges Konzept gebe, nähmen nur zwei der vier Hebammen teil. „Die decken das natürlich nicht zu hundert Prozent ab“. Auch viele weitere Dinge seien nicht geregelt. So gebe es etwa in Ostholstein nicht einmal ein Notfallkonzept für die Geburtshilfe.

Bertram warnt zudem vor einem ungelösten Problem, das zu weiteren Schließungen von Belegkliniken und damit zu noch längeren Wegen für werdende Mütter führen kann. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) will mit Strukturveränderungen durchsetzen, dass Beleghebammen künftig nur noch eine, maximal zwei Frauen zur Geburt betreuen dürfen. „Das ist ja eigentlich auch sinnvoll“, sagt Bertram.

Allerdings sehen die Rahmenbedingungen der GKV vor, dass eine Hebamme eine dritte Frau am Kreißsaal entweder abweisen, kostenfrei behandeln oder ihr eine Privatrechnung schicken muss. „Und das kann es auch nicht sein.“ Wenn dies durchkomme, müssten in der Konsequenz viele Beleghäuser schließen, sagt Verbandsvorsitzende Bertram.

dpa

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