Freiwillige unterstützen Krankenhaus-Personal

Helfen statt herumhängen

Freiwillige Helferin: Medizinstudentin Marie Noormalal beobachtet im Städtischen Krankenhaus in Kiel, wie sich ein Besucher einen Mundschutz anlegt. Foto: DPA

Kiel - Von Jonas Klüter. „Nicht nur die ganze Zeit untätig zu Hause rumsitzen“ – das war einer der Gründe, warum sich Marie Noormalal freiwillig gemeldet hat. Jetzt gehört sie zu dem Team aus Studenten, das sich um die Erstsichtung der Patienten im Städtischen Krankenhaus Kiel kümmert. Sie müssen herausfinden, woran Neuankömmlinge erkrankt sind und sie dann zur richtigen Behandlung weiterlotsen. So soll auch unnötiger Personenverkehr im Krankenhaus vermieden werden.

„Ich muss darauf achten, Patienten nicht zu nah zu kommen und mir immer wieder die Hände zu desinfizieren“, sagt die Medizinstudentin. Sie könnte jederzeit mit dem Coronavirus in Kontakt kommen. Sie berichtet von ihren Erlebnissen am Telefon, denn Journalisten müssen derzeit draußen bleiben.

Ihr erster Arbeitstag beginnt an einem sonnigen Donnerstag. Um 13 Uhr trifft sie Pfleger Axel Bethke. Am Ende seiner Frühschicht zeigt er der 24-Jährigen noch schnell das Wichtigste. Davor muss sie aber ausgerüstet werden. Neben Mundschutz und Desinfektionsmittel bekommt sie eine weiße Hose und einen Kasack in Brombeerrot – ähnlich wie der, den die Mediziner aus Krankenhausserien wie „Emergency Room“ tragen.

Marie studiert im neunten Semester Medizin und war schon öfter für Praktika in Krankenhäusern. Was ihr heute aber auffällt: eine gespenstische Leere, wo sonst Besucher und Patienten stehen. Die Klinik wurde nahezu abgeriegelt, es gibt nur wenige Ausnahmen. Selbst werdende Väter dürften nur noch direkt bei der Geburt anwesend sein.

Bei der Erstsichtung der Ankommenden achte sie auf deren Gesundheitszustand und frage nach Vorerkrankungen. Großes Augenmerk gelte dabei Atembeschwerden oder Fieber. Bei Patienten, die sich möglicherweise mit Corona angesteckt haben, gelte größte Vorsicht: „Wenn die Patienten Symptome zeigen, achte ich darauf, dass sie einen Mundschutz bekommen, denn ohne kommen sie nicht mehr rein.“

Doch nicht immer geht es so geordnet zu, zwischendurch kann es auch mal hektisch werden: Plötzlich sei jemand in den Eingangsbereich gestürmt und habe gesagt, dass eine Frau auf dem Parkplatz ein Kind bekommt. „Daraufhin ist eine Krankenschwester relativ schnell mit einem Rollstuhl rausgeeilt“, sagt Marie. An diesem Tag sei die werdende Mutter wohl eine der wenigen Patientinnen gewesen, die ohne Erstsichtung ins Haus durften.

Die Akribie, mit der man sich auf weitere Corona-Fälle vorbereite, beruhige sie, sagt Marie. Dieser Planungsaufwand ist auch das Werk von Marius Leye (24) und dem Team der Fachschaft Medizin. Sie sind Kommilitonen von Marie und mitverantwortlich für die Verteilung der Medizinstudenten. In Marius’ WG-Küche laufen die Fäden von Uni, Krankenhaus und Freiwilligen zusammen.

Sein Ziel: die Ressourcenverteilung sinnvoll gestalten. Viele hätten zur Überbrückung der Wartezeit vor dem Studium eine Ausbildung gemacht und damit besondere Qualifikationen erworben. Was vermieden werden soll: dass „wegen schlechter Planung ein ausgebildeter Intensivpfleger in der Telefonhotline aushilft“, erklärt Marius ebenfalls am Telefon. Zurzeit laufe die Koordination auf Hochtouren. Die Losung: Falls die Welle kommt, will man vorbereitet sein.

Auch pensionierte Ärzte sind gefragt. Stephan Göhrmann, Pressereferent der Ärztekammer Schleswig-Holstein. Direkter Kontakt zu Patienten sei ausgeschlossen, da die Ärzte „allein aufgrund ihres Alters der Risikogruppe angehören“.

Auch Menschen ohne medizinischen Hintergrund können helfen: Die Universitätsklinik sucht zurzeit Freiwillige mit Erfahrung in der Logistik. Auch freigestellte Restaurant- und Hotelfachangestellte werden gesucht. Sie haben die notwendige Qualifikation im Umgang mit Lebensmitteln. Schrabback betont: „Noch haben wir die Zeit, um uns vorzubereiten, und die Unterstützung ist riesengroß“.

Am Abend zieht Marie Noormalal ein positives Fazit: Der erste Tag sei spannend gewesen und habe ihr gezeigt, „dass auch viel Einsicht und Solidarität herrscht“. In ihrer Schicht habe es keine Corona-Fälle gegeben. Sie hilft ab jetzt regelmäßig im Krankenhaus aus.  dpa

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