Tradition: Zum Jahreswechsel laufen viele urige Gestalten über die Inseln

Hulken und Kenkner

Verkleidet in die kühle Nordsee springen: Auf Sylt und Föhr ist dies eine liebgewonnene Tradition am Neujahrstag. - Foto: dpa

Westerland/Wyk/Hooge - Silvesterparty, Feuerwerk am Strand, friesische Bräuche und am Neujahrstag ein Sprung in die Nordsee: Die nordfriesischen Inseln bieten ihren Gästen zum Jahreswechsel ein abwechslungsreiches Programm.

Sylt

Böller zünden und Feuerwerk abbrennen ist auf Sylt wegen der vielen Reetdächer ganzjährig verboten. Wer nicht auf den Anblick verzichten will, muss sich nach Hörnum im Süden der Insel begeben: Am dortigen Hafen wird mit einem Feuerwerk das Neue Jahr begrüßt. Anderenorts werden Raketen und Co. durch bunte Lichtshows (Westerländer Promenade) oder Lasershows (Wenningstedt am Hauptstrand) ersetzt. Ausgelassen ins Neue Jahr zu feiern, ist auf Sylt nicht nur in Clubs, sondern auch Outdoor kein Problem, zeigt ein Blick in den Veranstaltungskalender.

Wer vor der Feier noch ein bisschen Sport treiben will, kann beim Silvesterlauf über verschiedene Distanzen an den Start gehen. Doch auch wer den Jahreswechsel eher ruhig mag, findet auf Sylt das passende Programm – etwa bei einer (geführten) Wanderung in Wenningstedt oder mit Musik und Texten zum Jahresausklang in Hörnum. Und auf den Dörfern kann man hier und da noch die alte Tradition des Rummelpottlaufens erleben, wenn verkleidete Kinder von Haus zu Haus ziehen und singend Süßigkeiten einfordern. Am ersten Januar lockt dann das Neujahrsbaden besonders Mutige in die kalte Nordsee.

Föhr

Auf Föhr holt man sich am Silvestertag schon mal eine schwarze Nase: In Wyk sind Schornsteinfeger unterwegs. Und es soll nicht nur Glück bringen, einen der Knöpfe der Arbeitstracht zu berühren, der mitgebrachte Ruß soll auch vor Gefahren und Krankheiten schützen. Eine Verkleidung ist ein Muss beim Wyker Silvesterlauf, wenn Dutzende Laufverrückte im gemäßigten Tempo, aber dafür meist lustig verkleidet, gemeinsam quer durch die Stadt joggen. Den Jahreswechsel feiern können Gäste und Insulaner beispielsweise bei der großen Open-Air-Party am Musikpavillon in Wyk. Um Mitternacht startet hier am Strand auch ein großes Feuerwerk. Auch mitgebrachte Böller und Raketen dürfen am Strand und auf den Deichen abgefeuert werden.

Ruhiger geht es vor allem auf den Inseldörfern zu. Echt friesisch wird es nach Angaben der Föhr-Touristiker, wenn am Silvesterabend die selbstgedichteten Lieder der sogenannten Kenkner erklingen. Sie ziehen in Kostümen von Haus zu Haus, wünschen ein „Fröölek nei juar!“ und fordern wärmende Getränke ein. Das traditionelle Neujahrsschwimmen wird 2019 ein ganz besonderes: Die Stadt Wyk feiert ihr 200-jähriges Bestehen als erstes staatlich anerkanntes Seebad an der Nordseeküste Schleswig-Holsteins. Und das Jubiläumsjahr soll beim Neujahrsschwimmen stimmungsvoll mit nostalgischer Kleidung eingeläutet werden.

Amrum

Wer den Jahreswechsel ruhiger mag, für den ist Amrum der richtige Ort. Denn auch hier herrscht ein Abbrennverbot für Feuerwerk. Ganz ohne Party müssen aber Insulaner und Gäste nicht auskommen: In der Disco „54 Grad“ am Strand von Nebel steigt eine Silvesterfeier. Besinnlicher ist es da schon, wenn der Bürgermeister bei Gratissekt eine Viertelstunde vor Mitternacht in Norddorf seine Silvesteransprache hält oder der Posaunenchor in der St. Clemens Kirche in Nebel Punkt Mitternacht das neue Jahr begrüßt. Wie auf Föhr und auch auf Sylt kommen einem auf Amrum vielerorts komische Gestalten entgegen. Nur heißen sie hier Hulken statt Kenkner. - dpa

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