Tiere beim Nisten beobachten

Graugänse brüten auch im Watt

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Die wilden Jagden gehören bei Graugänsen zur Paarungszeit dazu. Zehntausende von ihnen leben in Schleswig-Holstein.

Husum - Eben noch hat „Papa“ Graugans mit vorgestrecktem Hals einen fremden Ganter verjagt, da wird er selbst zum Ziel einer wütenden Attacke: Mit fauchendem Schnattern macht eine Weißwangengans ihm Beine. Bei den Wildgänsen an der Nordseeküste ist Nachwuchszeit.

Graugänse brüten an der gesamten Küste – „an jedem Tümpel und Dünen-See“, sagt Biologe Klaus Günther von der Naturschutzgesellschaft „Schutzstation Wattenmeer“. Das war vor 40 oder 50 Jahren noch anders. Anfang der 70er-Jahre lebten in ganz Europa nur 20 000 Tiere dieser Art. Heute treffen sich allein an Schleswig-Holsteins Nordseeküste im Mai und Juni rund 30 000 Graugänse, sagt Günther: „Vor allem im Beltringharder Koog, im Hauke-Haien-Koog und in der Eidermündung.“ Der Biologe koordiniert im Auftrag der Nationalparkverwaltung die Zählungen der Rastvögel.

Daher weiß er, dass die Graugänse ihre Nester mittlerweile auch im Wattenmeer bis zu den Halligen oder Sandbänken wie Norderoogsand haben. „Eine zweifelhafte Strategie“, sagt Günther. Weit weg vom Festland können sie zwar geschützt vor Füchsen brüten. Doch Gänsejungen bräuchten grüne Wiesen und Frischwasser.

Die meisten Gänse ziehen weiter nach Norden

Viele Graugans-Familien machen sich daher von Oland oder Langeness auf den gefährlichen Weg durchs Wasser und das Watt zum Festland. Unterwegs landet dabei so manches Gänseküken im Magen einer hungrigen Silber- oder Mantelmöwe, berichtet Günther.

Auch die arktische Weißwangen- oder Nonnengans hat das Wattenmeer seit Mitte der 80er-Jahre als Brutgebiet entdeckt. Doch die dort Geborenen bleiben nicht immer. Als Erwachsene zogen einige der Weißwangengänse den eigenen Nachwuchs in der Arktis auf, beobachteten Biologen. „Wenn sie sich verpaaren, bestimmt einer der Partner, wo es zum Brüten hingeht“, erklärt Günther. Das führe zu einer großen Durchmischung des genetischen Materials und wenig Inzucht.

Heute brütet die Weißwangengans im Beltringharder Koog, im Fahretofter Koog sowie auf Trischen, Föhr und Sylt, sagte Günther. Die meisten der rund 150.000 Weißwangengänse im Wattenmeer ziehen jedoch weiter gen Norden. - dpa

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