Acht bis zehn Jahre hat Freya Hoffmeister für  50. 000 Kilometer eingeplant

Husumerin will um Nordamerika herumpaddeln

Extrem-Kajakerin Freya Hoffmeister kommt am 1. Mai 2015 in Buenos Aires an, wo sie die Umrundung Südamerikas am 30. August 2011 begonnen hatte. - Foto: dpa
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Extrem-Kajakerin Freya Hoffmeister kommt am 1. Mai 2015 in Buenos Aires an, wo sie die Umrundung Südamerikas am 30. August 2011 begonnen hatte. 

Husum - Von Wolfgang Runge. „Ich bin eine Sportlerin, und keine Abenteurerin“, sagt Freya Hoffmeister. Doch „Abenteuer“ kommen bei den außergewöhnlichen Reisen der Extrem-Paddlerin von selbst – auch lebensgefährliche.

So wurde die Frau aus Husum bei einer Reise im Mündungstrichter des südamerikanischen Flusses Amazonas von der gefürchteten „Pororoca“-Welle überrascht und aus ihrem Kajak „heraus gespült“. Diese Tidewelle erreicht im Extremfall bis zu fünf Meter Höhe und ist an Engstellen bis zu 65 Stundenkilometer schnell. Bei der Umrundung von Kap Hoorn kämpfte Hoffmeister bei vier bis fünf Meter hohen Wellen gegen einen Sturm mit Orkanböen an, der sie in die Antarktis zu treiben drohte.

Mehr als 50. 000 Kilometer hat die 52-Jährige bislang auf ihren abenteuerlichen Touren allein im Seekajak zurückgelegt. Ihre nächste Reise soll alles noch einmal toppen. Im März startet die Husumerin mit der Umrundung des nordamerikanischen Kontinents.

Das sind 50 000 Kilometer nur mit der Kraft ihrer Armmuskeln. Acht bis zehn Jahre hat sie für die Gesamtstrecke eingeplant. „Es können auch zwölf werden, je nachdem, wie meine persönlichen Verhältnisse sich entwickeln und meine physischen Konditionen.“ Wenn sie ihr Ziel erreicht habe, werde sie ungefähr 60 Jahre alt sein. „Ich weiß nicht, ob mein alternder Körper die Herausforderung durchhalten wird – aber ich glaube schon“, sagt sie mit einem Lächeln. Und fügt gleich hinzu: „Ich mag nur das tun, was nicht viele Menschen tun oder tun können.“

Nordamerika ist nicht die erste extreme Reise von Hoffmeister. 2007 paddelte sie in 33 Tagen um Island herum, 2009 dann ihr erster Kontinent in Rekordzeit: Die 18 000 Kilometer um Australien herum schaffte sie in elf Monaten als schnellster Mensch. 2011 startete die Geschäftsfrau als erster Mensch die Umrundung Südamerikas. Für die 27 000 Kilometer und 13 Länder brauchte sie 30 Monate.

Auch Nordamerika ist noch nie von einem Kajakfahrer umrundet worden. Freya Hoffmeister hat das Mammutprojekt in zwei Halbkreise geteilt: Startpunkt ist jeweils Seattle, das Ziel New York – zuerst im Uhrzeigersinn, und danach entgegen ihn. „Die nördlichen Abschnitte sind nur ein paar Monate im Jahr eisfrei: Wenn ich nur in eine Richtung paddeln würde, würde sich die Umrundung um mehrere Jahre verlängern“, erklärt die Paddlerin.

Natürlich könnte es auch schneller gehen, aber „ich bin keine ehrgeizige Sprint-Sportlerin, sondern will die Landschaft genießen.“ Ihr Kajak bringt voll beladen mit Ausrüstung und Lebensmitteln rund hundert Kilo auf die Waage. Ihre Reisegeschwindigkeit ist daher Schritttempo.

Zwischendurch geht es zurück nach Husum

Aufgeteilt hat sie die Umrundung in Blöcke von drei bis fünf Monaten Reisezeit. Dazwischen geht es immer wieder zurück nach Husum. Denn „ich habe einen Partner, einen Sohn, und zwei Geschäfte, um die ich mich kümmern muss“.

Die Nordamerika-Umrundung wird Freya Hoffmeister auch mit für sie neuen Gefahren konfrontieren – zumindest im Norden: „Bären in allen Pelzfarben – dem Schwarz- und Braunbär, dem Grizzly und dem weißen Eisbär – der ist besonders unangenehm.“ Angst habe sie jedoch nicht. „Dann würde ich nicht losfahren: Denn Angst macht dich zum Opfer, und Opfer will ich nicht sein.“ Weiter südlich erwartet sie dann wieder „Business as usual“, sagt sie. Da habe sie nicht so viele Sorgen.

„Ich bin von Haus aus mental stark gebaut, und die Erfolge haben mich nicht schwächer gemacht“, sagt Freya Hoffmeister. Ihr Rezept: „Auch scheinbare ‚Misserfolge‘ habe ich so hingebogen, dass sie letztendlich doch ein Erfolg waren.“ Zum Beispiel, wenn sie nicht am geplanten Tag ihr Ziel erreicht hat. „Dann kommt man halt am nächsten Tag an und freut sich, dass man was zu erzählen hat – es wäre ja eine langweilige Geschichte, wenn nichts passiert wäre.“ 

dpa

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