Landesjugendamtsleiterin war der Fall „Friesenhof“ unbekannt

Inhalte statt Namen

Der Friesenhof-Untersuchungsausschuss des Landtags hat gestern eine weitere Zeugin befragt. - Foto: dpa
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Der Friesenhof-Untersuchungsausschuss des Landtags hat gestern eine weitere Zeugin befragt.

Kiel - Der Name „Friesenhof“ ist der Landesjugendamtsleiterin nach eigenen Angaben bis kurz vor der Schließung der Mädchenheime nicht bekannt gewesen. Sie habe nur wenige besondere Vorkommnisse – etwa einen Beschwerdebrief zweier Mädchen – gekannt, sagte die Abteilungsleiterin im Sozialministerium vor dem Friesenhof-Untersuchungsausschuss gestern. Darüber habe sie mit der Leiterin der Heimaufsicht gesprochen.

Die Landesjugendamtsleiterin erklärte, sie habe sich um Inhalte gekümmert, nicht um Namen. Als komplexer Fall sei ihr der Friesenhof nicht bekannt gewesen. „Wir haben nicht über einzelne Einrichtungen gesprochen, sondern über Strukturen“, sagte die 64-Jährige.

Nach dem Fall Friesenhof habe das Sozialministerium zügig Maßnahmen ergriffen, um „strukturelle Lücken“ zu schließen. So sei unter anderem das Personal in der Heimaufsicht aufgestockt und ein Jour fixe mit der Staatssekretärin eingerichtet worden.

Die Obfrau der CDU-Fraktion, Katja Rathje-Hoffmann, zeigte sich von den Schilderungen der Abteilungsleiterin erschüttert: „Vor dem Friesenhof-Skandal fanden Fach- und Dienstaufsicht in der Heimaufsicht nicht statt.“ FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki sagte, die Abteilungsleiterin habe selbst den Auftrag erteilt, die Missstände im Friesenhof abzustellen. „Wer einen solchen Auftrag erteilt, muss a. wissen, was abgestellt werden soll und b. wo dies abgestellt werden soll.“ Es falle sehr schwer, in dieser Frage nicht von einer organisierten Unkenntnis der Abteilungsleiterin zu sprechen.

Am Nachmittag wurde noch der bekannte „Trainingscamp“-Verfechter und Betreiber von Jugendhilfeeinrichtungen Lothar Kannenberg gehört. Er war über den Jahreswechsel 2013/14 für wenige Monate im Friesenhof beratend tätig. Kannenberg hatte 2004 ein Erziehungscamp für schwererziehbare Jungen gegründet. 2005 sei die damalige Betreiberin des Friesenhofes auf ihn zugekommen und habe sein Konzept ansehen wollen. Bis 2013 habe er aber nichts mehr von ihr gehört. Dann habe sie ihn angerufen, weil es viele Beschwerden ihrer Mitarbeiter über den Friesenhof gegeben habe. Der 59-jährige ist daraufhin mehrmals nach Dithmarschen gefahren. Seiner Ansicht nach sei es nicht sein Konzept gewesen, dass im Friesenhof umgesetzt wurde.

Im Kieler Sozialministerium trafen sich unterdessen Vertreter von Landesjugendamt, kommunalen Jugendämtern und Einrichtungsträgern der Jugendhilfe. Sie tauschten sich über Maßnahmen zur Verbesserung in der Jugendhilfe aus, teilte das Ministerium mit. „Die jetzt vereinbarten turnusmäßigen Treffen sind eine gute Basis, um von den Erfahrungen anderer Akteure zu profitieren“, sagte Ministerin Kristin Alheit (SPD). „Mit der engeren Vernetzung leisten wir einen aktiven Beitrag zur Stärkung der Jugendhilfe in Schleswig-Holstein.“

dpa

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