Teilnehmer wollen Ausverkauf stoppen

Inselkonferenz auf Helgoland

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Auf der Hochseeinsel Helgoland beraten mehr als 100 Vertreter von Inseln und Halligen über die Entwicklung ihrer Gesellschaften und Nachhaltigkeit.

Helgoland – Deutschlands Inseln haben zwei gravierende Probleme: Den steigenden Meeresspiegel und immer weniger bezahlbaren Wohnraum. Auf der ersten Deutschen Inselkonferenz auf Helgoland wollen mehr als 100 Politiker, Tourismusmanager und Experten noch bis heute Abend darüber beraten, wie sich die Zukunftschancen der Bevölkerung auf Inseln und Halligen verbessern lassen. „Insbesondere als Urlaubsort sehen wir uns als Schaufenster und Botschafter für eine nachhaltige Entwicklung“, heißt es im Entwurf einer Resolution.

Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) sieht Deutschlands Inseln als Testlabore für die Lösung wichtiger Zukunftsfragen. „Wenn es auf den Inseln- und Halligen funktioniert, dann funktioniert es überall“, sagte Albrecht gestern.

„Der Klimawandel ist das zentrale Thema der Konferenz“, sagte Helgolands Bürgermeister Jörg Singer (parteilos). Die Vertreter der Inseln und Halligen fordern Unterstützung vom Bundestag und von der EU, um ihre Standortnachteile zumindest teilweise auszugleichen.

Baufelder unweit des Helgoländer Leuchtturms.

Eine der Forderungen an den Bund sei die Befreiung von der EEG-Umlage für den Stromimport, sagte Singer. 100-prozentige Klimaneutralität ist für die Inseln eine große Herausforderung. „In der Sektorenkopplung für die Nutzung regenerativer Energien und Wandlung in Wärme, Mobilität und lokale Versorgung sehen die Inseln einen ganz wichtigen Erfolgsfaktor auf dem Weg zur Nullemissionsinsel“, heißt es in der Resolution. 

Weiteres zentrales Thema ist bezahlbarer Wohnraum. Der Kauf von Häusern und Wohnungen wird immer kostspieliger. Das gilt nicht nur für die Luxusinsel Sylt, zeigte der Ende 2018 vorgestellte Immobilienatlas der LBS Bausparkasse: Auf Sylt stiegen die Quadratmeterpreise für Häuser um 7,7 Prozent auf durchschnittlich gut 10 600 Euro, für Wohnungen um 3,5 Prozent auf 7 150. Kampen war mit fast 22 000/15 000 Euro Spitzenreiter. Amrum rangierte bei 5 300 Euro je Quadratmeter für Häuser und bei gut 4 900 für Wohnungen; auf Föhr war der Quadratmeter 400 bis 500 Euro billiger. Für Einheimische sind solche Preise meist unbezahlbar.

„Es geht darum, wie wir dem Ausverkauf der Inseln entgegenwirken können“, sagt Singer. Der Entwurf der Resolution beinhaltet auch die Forderung nach Regelungen, „die einen Immobilienabverkauf auf Inseln verhindern“. Die Verantwortlichen fordern Planungshoheit „zur Verhinderung der weiteren gesellschaftlichen Erosion“.

Alle Inseln lebten fast nur vom Tourismus, sagte Matthias Piszczan, Spiekeroogs Bürgermeister. Die besondere Lage im Meer und im Wattenmeer machten diese Destinationen so einzigartig und beliebt. „Was nutzt uns aber diese Einzigartigkeit, wenn es weiter so vorangeht, dass finanzkräftige Investoren von außerhalb alles an sich reißen und sich letztlich überhaupt nicht um die Inseln und Orte kümmern, wie dort die Infrastruktur aufrecht erhalten werden kann.“ Um den Negativtrend zu drehen, fordert Spiekeroogs Bürgermeister rechtliche Möglichkeiten für die Inseln über das Zweckentfremdungsverbot hinaus, „um diverse Strömungen zu stoppen“.

Nach Ansicht von Helgolands Bürgermeister Singer haben die Inseln und Halligen viele Gemeinsamkeiten und ähnliche Herausforderungen. Beim zweitägigen Treffen, auf dem 17 Inseln und Halligen vertreten waren, wollte man voneinander lernen. Von den Ostseeinseln war auf Helgoland aber nur Hiddensee vertreten. Geplant war auf der Inselkonferenz auch die Vergabe des ersten deutschen Umweltpreises der Inseln – für das beste Konzept zur Vermeidung von Plastikmüll.  dpa

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