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Kurzzeit-Erholung: Der Duckdalben im Hamburger Hafen ist eine Oase für Seeleute

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Diakon Jörn Hille steht im Duckdalben. In dem Club können sich Seemänner ablenken vom Leben auf dem Meer.

Hamburg - Von Bernhard Sprengel. „Ich will über eine Wiese laufen.“ Das war der Wunsch eines Seemanns, den Jörn Hille (40) als Seemannsdiakon einmal in London erfüllte. Er fuhr den Mann zu einer Wiese, wo sich dieser die Schuhe auszog und über das Gras lief.

Seit zwei Jahren arbeitet Hille beim Hamburger Duckdalben. Der Seemannsclub im Stadtteil Waltershof liegt zwischen Autobahn, Köhlbrandbrücke, Hafenbahngleisen und Containerterminals. Das Backsteingebäude ist eine Oase. Es ist umgeben von einem Gartengelände mit Terrasse und kleinem Sportplatz. Seit Kurzem gibt es sogar einen Bienenstock. Ab und zu laufe auch hier ein Seemann barfuß übers Gras, sagt Hille.

Der Seemannsclub wurde vor 32 Jahren in einer ehemaligen Bürobaracke gegründet. Wegen des Andrangs ließ der Trägerverein, die Deutsche Seemannsmission Hamburg-Harburg, ihn immer wieder erweitern. Inzwischen haben rund eine Million Seeleute den Club besucht, der sich über Zuwendungen der Stadt Hamburg, kirchliche Mittel, private Spenden und eigene Einnahmen finanziert.

„Der normale Seemann lebt in einer überdimensionierten Dose, die ständig scheppert und wackelt. Er sieht nur Metall und Wasser.“ So beschreibt Hille den Alltag der Menschen an Bord eines Containerschiffes. Wegen der schnellen Be- und Entladung liegen sie nur kurz im Hafen. Die Freizeit für die Besatzung ist noch kürzer. Die mehr als 120 Mitarbeiter des Duckdalben wollen Besuchern einen möglichst angenehmen Aufenthalt bescheren. Mit Kleinbussen holen sie ihre Gäste von den Schiffen ab und bringen sie auch wieder zurück.

Holzpfähle geben dem Club seinen Namen

Rund 500 Seeleute kommen täglich in den Hamburger Hafen, 100 von ihnen finden den Weg zum Duckdalben. Der Club mit der Ente als Leitfigur sei weltweit bekannt, sagt Sprecher Hergen Riedel. Der namensgebende Duckdalben hat allerdings wenig mit Enten zu tun. Es handelt sich um eine Gruppe von Holzpfählen, die zum Festmachen der Schiffe in den Hafengrund gerammt werden. Das Wort soll auf den Herzog von Alba (spanisch: Duque de Alba) zurückgehen.

An einem Tisch in der Bar sitzt Akram aus Äthiopien. Er ist am Vortag auf einem Containerschiff aus Rotterdam gekommen. Am nächsten Tag soll es nach Southampton weitergehen. „Mir gefällt das WLan“, sagt der 28-jährige Elektriker. „Ich kann gratis mit meiner Familie telefonieren.“ Dass der Club eine christliche Einrichtung ist, störe ihn als Muslim nicht, versichert er – und geht mit Kollegen an den Kickertisch.

Darwin ist 32 und kommt von den Philippinen. Er ist vor einem Monat in Singapur an Bord gegangen und erledigt Wartungsarbeiten auf dem Schiff. Die Offiziere seien alles Kroaten. Er hat philippinische Kollegen, aber selbst mit diesen sei die Verständigung nicht einfach, weil sie aus anderen Regionen kämen. „Ich vermisse meine Frau und meine beiden Kinder“, sagt er. Bevor Darwin wieder an Bord muss, entspannt er sich noch in einem Ledersessel.

Asiatische Gäste mögen den Karaokeraum besonders

Um ihn herum mangelt es nicht an optischen Reizen: Fotos, Fächer, Flaggen, Tücher, Seekarten, Porträtzeichnungen und mehr als hundert Rettungsringe. Die Einrichtung besteht aus vielen Objekten mit einer besonderen maritimen Geschichte.

Der Seemannsclub bietet vielerlei Unterhaltung, besonders bei Asiaten sei der Karaokeraum beliebt. „Wir haben schon mal 20 Leute, die den ganzen Abend durchträllern“, sagt Hille schmunzelnd. Die Besucher können aber auch Ruhe und Einkehr finden. Im Raum der Stille stehen Altäre für alle Weltreligionen. Ein Leuchter in Form einer Weltkugel bietet Platz für viele Kerzen.

dpa

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