Cybercrime-Opfer klagen selten

Wegen 49,95 Euro vor Gericht ziehen?

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Wolfgang Zepter

Kiel - Missbrauch beim Online-Banking, Betrug bei Bestellungen und erschlichene Abonnements – Internetkriminalität bereitet Staatsanwälten im Land trotz zuletzt leicht gesunkener Fallzahlen viel Arbeit. Beim Computerbetrug gebe es ein großes Dunkelfeld, sagte Generalstaatsanwalt Wolfgang Zepter am Donnerstag bei der Vorstellung seines Jahresberichts. „Manche Straftaten kommen überhaupt nicht zur Anzeige, weil wir uns im heutigen Geschäftsverkehr beziehungsweise auch Privatverkehr damit abgefunden haben, dass man ab und zu durch Cybercrime zum Opfer wird.“

7119 Verfahren im Bereich Internetkriminalität führten die Staatsanwaltschaften 2017. Das waren zwar etwas weniger als 2016 (7298), aber deutlich mehr als in den Vorjahren. Verbraucher würden online abgezockt, von ihren Konten Geld abgehoben und es würden „Verträge eingegangen, die man eigentlich gar nicht will“, sagte Zepter. Die Betrüger müssten gar nicht viel tun. „Das läuft letztlich alles automatisch ab.“ So verdienten die oft im Ausland sitzenden Täter Millionen durch Kleinstbetrügereien.

Sie hielten den Schaden ganz bewusst gering, sagte Zepter. „Es ist ärgerlich, wenn 49,95 Euro abgebucht werden für etwas, das man nicht bestellt, nicht gewollt hat. Aber das wird dann hingenommen und nicht zur Anzeige gebracht.“

Die Täter zu identifizieren und die Verbrechen aufzuklären ist aufwendig. Trotz Rechtshilfeverkehrs hätten die Staatsanwälte teils „überhaupt keine Möglichkeit, diesen Tätern auf die Schliche zu kommen“, sagte Zepter. Entsprechend niedrig ist die Anklagequote in den gut 7000 Fällen, die bekannt sind. Eine genaue Zahl konnte Zepter nicht nennen. Hoffnungen setzt die Justiz auf die neue Schwerpunktstaatsanwaltschaft in Itzehoe. Sie soll versuchen, in besonders schweren Fällen von Cybercrime Erfolg zu haben.

Die Staatsanwälte in Schleswig-Holstein haben 2017 insgesamt deutlich weniger Ermittlungsverfahren geführt. Die Zahl der Fälle sank gegenüber 2016 um 7,75 Prozent auf 284.504. „Ob die Straftaten abgenommen haben, steht aber auf einem anderen Blatt Papier“, sagte Zepter.

Die Arbeitsbelastung der 189 Staatsanwälte im Land habe sich im vergangenen Jahr aber nicht verringert, sagte Zepter. 70 Prozent aller anklagefähigen Delikte seien innerhalb von drei Monaten erledigt worden. 

dpa

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