Versuchter Mord: Polizisten sammeln bei einer Suchaktion Objekte ein

„Jeden Grashalm umgedreht“

Polizisten suchen in der Nähe des Autobahnkreuzes Kiel-Mitte nach Spuren und einem Wurfgeschoss. Foto: DPA

Kiel - Unbekannte haben bei der Autobahnzufahrt Kiel-Mitte vermutlich von einer Brücke einen Gegenstand auf ein vorbeifahrendes Auto geworfen. Bei dem Vorfall am vergangenen Sonntag sei niemand verletzt, aber das Dach des Fahrzeugs beschädigt worden, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Es werde nun wegen versuchten Mordes in Verbindung mit einem gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr ermittelt.

Am Freitag wurde der Tatort noch einmal untersucht. Es seien an der Autobahn 215 Gegenstände sichergestellt worden, die kriminaltechnisch untersucht würden, sagte ein Polizeisprecher. Über die Art der Gegenstände wurde aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben gemacht.

Wegen der Spurensuche mit 20 Beamten war eine Fahrspur der Autobahn in Richtung Neumünster mehrere Stunden gesperrt, es kam zu Staus. „Die Beamten haben im Rahmen der Spurensuche jeden Grashalm umgedreht“, sagte der Sprecher. Auch ein Graben, den die Feuerwehr leergepumpt hatte, sei abgesucht worden.

Am vergangenen Sonntag war den Ermittlungen zufolge ein 52-Jähriger mit einer Beifahrerin in Fahrtrichtung Neumünster unterwegs, als er einen Einschlag auf dem Dach seines Wagens gehört habe. Er hielt den Angaben zufolge sofort an und entdeckte einen Schaden auf dem Autodach. Ein weiterer Pkw-Fahrer habe auch angehalten und berichtet, dass er einen von der Brücke fliegenden Gegenstand gesehen habe. Personen habe er auf der Brücke nicht sehen können.

Ob die Tat vom 17. Februar mit einem ähnlichen Vorfall in der Nacht zum 13. Februar auf dem Kieler Ostring zusammenhängt, ist laut Polizei völlig offen. In Höhe der Brücke Klausdorfer Weg hatte ein Gegenstand die Windschutzscheibe eines Autos erheblich beschädigt. Der 38 Jahre alte Fahrer blieb unverletzt. Auch diesen Fall wertet die Staatsanwaltschaft als versuchten Mord. Ein Zeuge will zum Tatzeitpunkt eine Gruppe auf der Brücke gesehen haben, die geflüchtet sei.

Erst Anfang Februar hat das Landgericht Flensburg zwei 19-Jährige wegen Steinwürfen auf fahrende Autos auf der A 7 und der B 200 unter anderem wegen versuchten Mordes zu Jugendstrafen von sechs Jahren verurteilt. Die beiden Deutschen haben nach Überzeugung des Gerichts zwischen Februar und Mai 2018 in Flensburg und Umgebung Steine, Felsbrocken und Gehwegplatten auf fahrende Fahrzeuge geworfen. Dabei wurde eine Autofahrerin schwer verletzt. Mehrere Autos, Lastwagen und ein Bus wurden beschädigt.  dpa

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