Joachim Albrecht, Verfassungsschutz-Chef, ist der Meinung, dass Antisemitismus in fast allen Ausprägungen des politischen Extremismus eine Rolle spielt.
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Joachim Albrecht, Verfassungsschutz-Chef, ist der Meinung, dass Antisemitismus in fast allen Ausprägungen des politischen Extremismus eine Rolle spielt.

Verfassungsschutzchef ist von verschiedenen Ausprägungen überzeugt

„Judenhass nicht nur im rechten Milieu“

Kiel/Hamburg – Nach Einschätzung des schleswig-holsteinischen Verfassungsschutzes ist Antisemitismus nicht nur in rechtsextremistischen Milieus zu finden. Er trete in unterschiedlicher Ausprägung auch in allen anderen Bereichen des politischen Extremismus auf, sagte Verfassungsschutzchef Joachim Albrecht. „Regionale Schwerpunkte antisemitischer Strukturen sind in Schleswig-Holstein nicht zu erkennen“, erklärte er.

„Völlig enthemmt und offen antisemitisch agiert allerdings die neonazistische Gruppierung ,Atomwaffen Division (AWD)‘“, war sich Albrecht sicher. Sie verteile unter anderem bundesweit Flugblätter mit antisemitischen Inhalten. Solche Papiere wurden im vergangenen Jahr auch in Preetz im Kreis Plön gefunden.

Hintergrund seiner Aussagen war ein Ereignis am Wochenende, das sich in Hamburg abspielte. Ein junger Mann war unmittelbar vor dem Betreten einer Synagoge von einem Deutschen mit einem Klappspaten angegriffen und am Kopf verletzt worden. Das Motiv des 29 Jahre alten Tatverdächtigen war zunächst unklar. Polizei und Generalstaatsanwaltschaft werten den Angriff als versuchten Mord – mutmaßlich aus Judenhass.

Ein Sprecher der Hamburger Innenbehörde teilte Albrechts Meinung und meinte, Antisemitismus sei grundsätzlich in allen extremistischen Phänomenbereichen verbreitet. „Es gibt jedoch wesentliche Unterschiede, wie stark er ausgeprägt ist und in welchen Formen er auftritt. Die größte Relevanz besitzt der Antisemitismus im Rechtsextremismus.“ Schleswig-Holsteins Verfassungsschutzchef Albrecht erläuterte, „die Gefahr der Ausführung solcher Anschläge besteht neben den gewaltorientierten extremistischen Netzwerken nach wie vor in sich selbstradikalisierenden Einzeltätern, die dann alleine oder auch in Kleinstgruppen Anschläge verüben“. Weiterhin sagte er: „In Schleswig-Holstein ist Antisemitismus als Teil einer rechtsextremistischen Argumentationsstrategie unter anderem im Rahmen von Hass-Postings, Kommentaren und Bildern im Internet zu finden.“ Das Internet diene dabei als Resonanzraum. „Es kann somit einen Ausgangspunkt für Radikalisierungsprozesse darstellen, wie zuletzt der Anschlag in Halle vom 9. Oktober 2019 gezeigt hat.“

Im Norden habe es im Jahr 2019 zwei antisemitische Gewalttaten gegeben – eine gefährliche Körperverletzung und einen tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte.  dpa

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