Fehlender Nachwuchs für ein aufwendiges Hobby

Kaum noch Taubenzüchter

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Olaf Denker hat sich ein sehr zeitaufwendiges Hobby gesucht.

Reinsbüttel – Die Brieftaube gilt als „Rennpferd des kleinen Mannes“ – sie nimmt an Wettkämpfen teil und kann dem Besitzer in seinen Kreisen Ruhm und Ansehen bescheren. Doch in Deutschland verschwinden die Taubenschläge. In Hamburg und Schleswig-Holstein gibt es aktuell nur noch 1 150 Brieftaubenzüchter, weiß Elena Finke vom Verband Deutscher Taubenzüchter. Nur noch halb so viel wie 2005.

Ganz anders sah es vor der Erfindung des Telefons und des Funkverkehrs aus. Vor 100 Jahren nutzten die Menschen die Tauben als Luftpost. Sie überbrachten wichtige Informationen schnell und zuverlässig von weit entfernten Absendern.

Heute sind Brieftauben nur noch Hobby. Und Nachwuchs fehlt, sagt Taubenzüchter Olaf Denker aus Reinsbüttel im Kreis Dithmarschen. Das Durchschnittsalter in seinem Verein liege bei 70 Jahren. „Junge Leute interessieren sich nicht mehr so sehr für Brieftauben.“ Vermutlich scheuen sie den Zeitaufwand. Denn die Brieftauben beanspruchen den ganzen Menschen. Zeit für andere Hobbys bleibt nicht. In ganz Deutschland gibt es nach Verbandsangaben etwa 31.000 Brieftaubenzüchter. Denker besitzt rund 200 Vögel, davon „31 Tauben zum Reisen“. Jeden Tag muss er die Vogelschar einmal füttern, in der Saison von April bis zum Herbst sogar zweimal. Das dauert vier bis fünf Stunden an sieben Tagen die Woche, sagt er.

Dazu kommen an den Wochenenden die Reisen. Bei den Distanzflug-Wettbewerben legen die Vögel nach Angaben des Verbands Deutscher Taubenzüchter Entfernungen zwischen 100 und 700 Kilometern zurück. Dabei jagen sie mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 70 bis 75 Stundenkilometern zurück zu ihren Heimatschlägen.

Zwei Tage alte Vögel sitzen nebeneinander. Bei den Züchtern fehlt es allerdings an Nachwuchs.

Die Besitzer warten derweil – den Blick gen Himmel – zuhause auf das Eintreffen. „Das Schönste ist, wenn die Brieftaube, die gerade einmal 500 bis 600 Gramm wiegt, nach einem langen Flug in großer Höhe ankommt, ihren Taubenschlag unten sieht, ihre Flügel anlegt, und – zack – ist sie im Schlag“, schwärmt Denker. Die Flugzeit wird dabei elektronisch erfasst. Früher war nicht die Geschwindigkeit der Brieftauben ausschlaggebend. Damals dienten die Brieftauben unter anderem beim Militär, und in der Schifffahrt. Sie transportierten Nachrichten und kündeten die Ankunft von Schiffen an. Und sie wurden in Seenotfällen eingesetzt.

Nach Angaben des Landesbetriebs für Küstenschutz hielt die letzte „königliche Brieftaubenstation“ an der Nordsee in Tönning (Kreis Nordfriesland) noch bis 1912 die Verbindung zu den beiden Feuerschiffen in der Eidermündung. Dafür wurden die Tauben zuerst mit einer Segeljolle auf die sogenannte Eiderlotsengaliot beziehungsweise zum „Feuerschiff Außeneider“ gebracht. Jede Nachricht wurde zur Sicherheit mit drei Tauben von den Schiffen zurück nach Tönning geschickt. Je nach Wind und Wetter brauchten die Vögel für die 19 Kilometer lange Flugstrecke von der Eiderlotsengaliot 10 bis 15 Minuten, für die 45 Kilometer von der Station Außeneider 35 bis 50 Minuten. 1912 machte die „moderne Technik“ die Brieftauben-Depeschen in der Eidermündung überflüssig: Die Verbindung mit den Feuerschiffen wurde mittels „elektrischer Telegrafie“ hergestellt. 

dpa

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