Vorsicht Vogelgrippe: Im Land herrscht für Geflügel Stallpflicht. - Archivfoto:dpa

Ursache für Infektion in Grumby weiter unklar

Kein schnelles Ende der Vogelgrippe-Epidemie in Sicht

Kiel/Greifswald-Riems - Die Vogelgrippe breitet sich weiter aus – und mit einem schnellen Ende der Epidemie ist nicht zu rechnen. Der H5N8-Erreger sei vermutlich von Zugvögeln nach Europa getragen worden und der Vogelzug habe gerade erst begonnen, erklärte der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Thomas Mettenleiter. Weitere Ausbrüche auf Geflügelhöfen seien jederzeit möglich. „Bei dem aktuell hohen Infektionsdruck durch Wildvögel von außen sind vereinzelte Einträge in Nutzgeflügelbestände nicht zu 100 Prozent zu verhindern.“

Ende vergangener Woche war die Vogelgrippe in einem schleswig-holsteinischen Geflügelbetrieb ausgebrochen. 30 000 Hühner mussten in Grumby (Kreis Schleswig-Flensburg) getötet werden. Wie der Erreger in den abgeschlossenen Betrieb kam, ist weiter unklar. Im Norden wurden mittlerweile landesweit von den Behörden elf Sperrbezirke eingerichtet, neun davon nach Feststellung der Geflügelpest bei Wildtieren. Neben Grumby gab es auch einen Fall von Geflügelpest bei Nutztieren in Lübeck.

Abgesehen von Berlin haben inzwischen alle Bundesländer für bestimmte Risikogebiete – vor allem entlang von Flüssen oder Seen – eine Stallpflicht angeordnet. In Schleswig-Holstein wurden bislang nur drei zeitlich begrenzte Ausnahmegenehmigungen erteilt. Im Land sind sechs Kreise von der Vogelgrippe betroffen. Dem Agrarministerium zufolge werden aber auch aus anderen Gebieten tote Wildvögel gemeldet. Das Ministerium empfiehlt, derzeit keine Jagd auf Wasservögel zu machen. „So kann das Risiko verringert werden, dass infizierte Tiere aufgescheucht werden und die Geflügelpest weiter verbreiten.“

Unterdesen wurde in Kassel vorsichtshalber die für dieses Wochenende geplante größte deutsche Vogelschau mit rund 1 000 Züchtern und 14 000 Tieren abgesagt. Die Schweiz kündigte eine landesweite Stallpflicht für Geflügel ab heute an.

In Deutschland wurde das Virus neben dem Norden vor allem im Süden bei verendeten Wildvögeln gefunden. Der Erreger sei vermutlich von Zugvögeln aus Russland eingeschleppt worden, sagte FLI-Präsident Mettenleiter. Demnach war das Virus im Sommer bei Wildvögeln in Zentralrussland, in Sibirien und der Mongolei nachgewiesen worden. Da der aktuell in Mitteleuropa auftretende Erreger dem im Sommer gefundenen „sehr ähnele“, könne man davon ausgehen, dass er von dort über Wildvögel nach Westen gelangt sei.

Beim winterlichen Vogelzug flüchten hunderttausende Vögel vor der Kälte im Osten und Norden Europas nach Westen. Ob damit in den kommenden Wochen mehr infizierte Wildvögel in Mittel- und Westeuropa gefunden werden, müsse abgewartet werden, sagte Mettenleiter. Die Situation könne sich noch verschärfen. Es sei aber auch durchaus möglich, dass es wie bei der Vogelgrippe-Epidemie von 2006 Phasen gebe, in denen die Infektionsdynamik wieder abebbe.

Ausnahmen von der Stallpflicht gab es selbst für besonderes Federvieh nicht: Auch die Weihnachtsgans von Kanzlerin Angela Merkel muss ihre letzten Wochen im Stall verbringen. „Natürlich habe ich wie andere Tierhalter die Weisung des Ministers umgesetzt“, sagte der vorpommersche Hobbygeflügelhalter Wolfhard Molkentin, von dem Merkel seit Jahren eine Pommerngans bezieht. Hamburgs rund 120 Alsterschwäne bezogen verfrüht ihr Winterquartier – wegen der Stallpflicht diesmal ein rund 500 Quadratmeter großes Zelt. - dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.