Absauganlage für bessere Luft

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Auf Höhe einer Abgasmessanlage am Theodor-Heuss-Ring in Kiel soll eine „Stadtluftreiniger“ gegen drohende Diesel-Fahrverbote kämpfen. 

Kiel – Können Absauganlagen ein Diesel-Fahrverbot in Kiel verhindern? Oberbürgermeister Kämpfer will bereits im Februar den Test eines Luftreinigers am Theodor-Heuss-Ring starten. Die Idee dafür stammt aus dem Norden.

 Die Stadt Kiel will ein drohendes Diesel-Fahrverbot mit technischer Hilfe verhindern. Bereits im Februar könnte der Prototyp einer mobilen Absauganlage für einige Wochen testweise am viel befahrenen Theodor-Heuss-Ring aufgestellt werden, sagte Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) am Donnerstag. „Wir können aber nicht allein auf die Anlage setzen.“ Sie sei nur eine Ergänzung zu den Plänen der Stadt. Zuvor hatten Medien über den Einsatz einer Absauganlage berichtet.

An der Verkehrsachse werden die Grenzwerte für Schadstoffemissionen seit Jahren teils deutlich überschritten.

Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) will Fahrverbote mit allen Mitteln verhindern und arbeitet an einem Luftreinhalteplan. „Der Schutz der Gesundheit der Anwohner am Theodor-Heuss-Ring hat oberste Priorität“, sagte er. „Wir begrüßen daher jede Maßnahme, die zu einer Reduzierung der Stickoxidwerte beiträgt und werden den Modellversuch der Stadt Kiel fachlich begleiten.“

Ende 2018 hatte die Stadt Kiel vorgeschlagen, mit einem Tempolimit und einem Fahrverbot auf einer Spur die Luft an der Achse zu verbessern. Daneben gebe es Gespräche mit zwei Herstellern von Luftreinigungsanlagen, sagte Kämpfer.

Der Schutz der Gesundheit der Anwohner hat oberste Priorität.Umweltminister Jan-Philipp Albrecht

Von einer Anlage für die Mittelplanke gebe es allerdings noch keinen testbaren Prototypen, von dem mobilen „Stadtluftreiniger“ der Firma Purevento aus Trittau dagegen schon. Er hat die Größe eines Kleintransporters und ist mit einem Filtersystem ausgestattet. Der Container soll auf Höhe der Messanlage am Theodor-Heuss-Ring aufgestellt werden.

„Diesen Container kann man ohne großes Genehmigungsverfahren hinstellen“, sagte Kämpfer. Dieser werde dort aber nur einige Wochen stehen. „Die Firma möchte dieses Konzept gerne auch in anderen Bundesländern oder anderen Städten vorstellen.“

Weil die Technik noch in der Erprobungsphase sei, habe die Stadt sie nicht zu einem maßgeblichen Teil der Ende 2018 vorgelegten Planungen machen können. „Weder ist die Produktion gesichert, noch ist die Wirksamkeit im Betrieb nachgewiesen.“ Die Stadt sei bereits seit November in Kontakt mit der Firma.

„Wenn sich diese Container bewähren, dann kann ich die auch relativ schnell in einen Dauerbetrieb für die kommenden Jahre bringen“, sagte Kämpfer. Eine fest installierte, große Absauganlage sei schwieriger zu genehmigen.

Wegen jahrelanger zu hoher Belastung der Luft durch gesundheitsschädliches Stickstoffdioxid (NO2) haben Gerichte bereits mehrere deutsche Städte zu Fahrverboten verdonnert. Der europäische Grenzwert beträgt 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. Am Kieler Theodor-Heuss-Ring betrug der durchschnittliche Wert im vergangenen Jahr rund 60 Mikrogramm.  dpa

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