Sieben Meter Abstand

Polizei demonstriert Risiken von Messerattacken

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In Kiel demonstrieren Landespolizisten mithilfe eines Einsatztrainers Attacken und Abwehrmöglichkeiten einer möglichen Messerattacke. 

Kiel - Wenige Tage nach den tödlichen Schüssen eines Polizisten auf einen Messerangreifer in Bad Oldesloe hat die Landespolizei die spezifischen Risiken solcher Attacken und Abwehrmöglichkeiten demonstriert. Ein Einsatztrainer der Polizei simulierte gestern in Kiel auf dem Gelände des Landespolizeiamtes mehrere Angriffsszenarien, ein anderer Trainer versuchte alternativ mit den Händen, mit dem Schlagstock, mit Pfefferspray oder auch mit der Dienstpistole die Attacken abzuwehren.

Polizisten sollen als Grundregel eine Sicherheitsdistanz von mindestens sieben Metern zu einem Messerangreifer haben. Innerhalb der sieben Meter bestehe bei einem Messerangriff Lebensgefahr, erläuterte der Einsatztrainer von der Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung und für die Bereitschaftspolizei Schleswig-Holstein. Bei geringerem Abstand könne man Messerangriffe nie unbeschadet überstehen. Pfefferspray könne erst zeitversetzt um einige Sekunden bei Angreifern wirken, da diese wegen ihres hohen Adrenalins zuerst kaum etwas merkten. Dies könne sogar für Schüsse gelten. Als polizeilicher Grundsatz gilt bei einem Abstand von weniger als sieben Metern: In Hochrisikosituationen wie einer Messerattacke ist der Einsatz der Dienstwaffe naheliegend, um sich selber zu schützen.

Die Demonstration habe nichts mit dem Fall in Bad Oldesloe zu tun und auch nichts mit der Diskussion über eine Einführung sogenannter Taser, betonte ein Polizeisprecher. In Bad Oldesloe war ein 21 Jahre alter Obdachloser am 7. Oktober von zwei Kugeln aus einer Dienstwaffe tödlich verletzt worden. Zuvor soll der psychisch Kranke die Beamten massiv mit einem Messer bedroht haben. Die Staatsanwaltschaft Lübeck geht von Notwehr aus. Alles deutet laut Justiz darauf hin, dass der Angreifer so dicht vor dem Beamten stand, dass ein Schuss in die Beine nicht möglich war.

Das Innenministerium prüft, für Tests Elektroschockpistolen bei der Polizei im Land anzuschaffen. Die Jamaika-Koalition hat sich noch nicht entschieden. Die Gewerkschaft der Polizei fordert, den Einsatz dieser Waffen zu erproben. Elektroschockpistolen setzen den Getroffenen aus einer Distanz von mehreren Metern sofort für mehrere Sekunden außer Gefecht. Dabei werden zwei oder vier mit Drähten verbundene Pfeile auf einen Angreifer geschossen – über die Drähte werden dann elektrische Impulse auf den Körper übertragen. - dpa

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