Weniger Gezwitscher auf Feldern

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Eine Amsel füttert ihr Junges mit Würmern: Aktuell werden im Norden des Landes weniger Vogelarten gezählt.

Kiel – Von Andre Klohn. Eklatante Entwicklung: In Siedlungsgebieten sind die Lebensbedingungen für Vögel mittlerweile offenbar besser als auf Schleswig-Holsteins Feldern. Grund ist der Einsatz von Pestiziden, sagen Naturschützer. Aber auch dort ist einiges negativ.

Zwischen Nord- und Ostsee leben nach Erkenntnissen von Naturschützern immer weniger Vögel. „Die Zahl der unterschiedlichen Vogelarten ist in Schleswig-Holstein im Siedlungsbereich deutlich höher als auf landwirtschaftlichen Nutzflächen“, sagte der Landesgeschäftsführer des Naturschutzbundes (Nabu). „Insbesondere klassische Wiesenvögel wie Kiebitz, Feldlerche oder Grauammer gibt es heute gar nicht mehr oder die Zahl der Tiere ist sehr stark zurückgegangen.“ Die Entwicklung sei aus Sicht des Naturschutzes „eklatant, denn ursprünglich war es anders herum“.

Ludwichowski führt die Entwicklung auf Pestizide zurück. „Wir gehen davon aus, dass der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft einen maßgeblichen Einfluss auf die Höhe der Vogelbestände hat, weil ihnen dadurch einfach die Nahrungsgrundlage fehlt.“ Bei Insekten sei ein Zusammenhang bereits nachgewiesen. Es gehe dabei weniger um die Vergiftung der Tiere. „Die Vögel finden in der Zeit der Jungenaufzucht zu wenig Nahrung.“

In Siedlungsräumen kämen – auch wenn es dazu keine genauen Zahlen gebe – weniger Pestizide zum Einsatz, sagte Ludwichowski. „Deswegen ist die Nahrungsbilanz der Vögel dort möglicherweise besser als in Ackerbau-Gegenden.“ Allerdings geht die Zahl der Vögel bei einigen Arten auch in den Dörfern und Städten zurück.

Aktuell wurden im nördlichsten Bundesland weniger Amseln beobachtet. „Allerdings fällt der Rückgang im Land mit etwa sechs Prozent gegenüber 2018 deutlich niedriger als im Bundesschnitt mit 13 Prozent“, so Ludwichowski. Ein Grund für den Rückgang dürfte der Usutu-Virus sein, der im vergangenen Jahr fast deutschlandweit auftrat.

Ein anderer Grund dürfte der lange und trockene Sommer des vergangenen Jahres gewesen sein. „Für Meisen, Haus- und Feldsperlinge, Rohrammern und Schafstelzen bedeutete dieser zwar ein gutes Brutjahr“, sagte Ludwichowski. Diese Vogelarten setzten bei der Jungenaufzucht auf Insekten oder Pflanzen-Nahrung. „Wer umgekehrt aber im Boden stochern muss – und dazu gehört die Amsel – für den war der vergangene Sommer dagegen nicht so gut.“

Gute Nachrichten gibt es weiterhin von dem am weitesten verbreiteten Haussperling. „Danach folgt der Feldsperling, der als eine der wenigen Arten bereits seit Jahren eine deutliche Zunahme zeigt“, sagte Ludwichowski. Zu den fünf häufigsten Arten gehören zudem Kohlmeise, Amsel und Blaumeise.

Im vergangenen Jahr beteiligten sich bundesweit mehr als 136 000 Menschen an Vogelzählungen, davon rund 6 850 in Schleswig-Holstein. Sie beobachteten im Rahmen der Aktion 4 468 Gärten zwischen Nord- und Ostsee.  dpa

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