Die Missbrauchfälle in Kiel haben nun auch politische Konsequenzen – allerdings diesmal im positiven Sinne.
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Die Missbrauchfälle in Kiel haben nun auch politische Konsequenzen – allerdings diesmal im positiven Sinne.

Kieler Behörden richten nach Missbrauchsfällen Kommission ein

Es soll sich etwas ändern

Kiel - Nach dem sexuellen Missbrauch von zwei kleinen Mädchen im Kieler Stadtteil Gaarden wollen die zuständigen Behörden künftig in ähnlichen Fällen enger zusammenarbeiten.

Bei der Bearbeitung von Sexualstraftaten bei Kindern soll eine Arbeitsgruppe aus Experten der Staatsanwaltschaft, der Polizei und des Gesundheitsamtes der Stadt einen besseren Austausch der Behörden ermöglichen. „Wir sehen, dass wir nicht schnell genug miteinander kommunizieren“, sagte die leitende Oberstaatsanwältin Birgit Heß am Mittwoch nach einem Treffen mit dem Kieler Sozialdezernenten Gerwin Stöcken und dem Leiter der Polizeidirektion, Thomas Bauchrowitz. Dies hätten die jüngsten Fälle gezeigt. „Das wollen wir ändern.“

Die Arbeitsgruppe soll sich bereits in den kommenden Tagen zusammenfinden und sich zunächst in relativ kurzen Abständen treffen. Angedacht ist, dass Sachbearbeiter des Gesundheitsamtes das Gremium im Bedarfsfall selbst einschalten können. Um dem Datenschutz gerecht zu werden, wollen die Behörden auch das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz miteinbeziehen.

Sozialdezernent Stöcken sagte, die zunächst nur für den Bereich Kiel geplante Arbeitsgruppe solle den Informationsaustausch verbessern. „Das muss künftig besser gehen“, sagte Stöcken. Das Gremium sei aber „keine Garantie, dass das nie wieder passiert“, sagte er mit Blick auf die beiden im Januar im Stadtteil Gaarden sexuell missbrauchten Mädchen im Alter von fünf und sieben Jahren. Unter Tatverdacht steht ein 30-Jähriger aus Kiel, der seit Anfang des Monats in Untersuchungshaft sitzt.

Die Staatsanwaltschaft hatte nach der ersten Tat keine rechtliche Grundlage für einen Haftbefehl gesehen, obwohl der Mann bereits nach diesem Missbrauchsfall unter Verdacht stand und vorläufig festgenommen worden war. Er soll am 6. Januar ein fünfjähriges Mädchen in einem Kindergarten missbraucht haben und am 31. Januar ein Mädchen im Alter von sieben Jahren, das er in seine Wohnung gelockt hatte.

Sozialdezernent Stöcken hatte in der vergangenen Woche Versäumnisse eingeräumt. Aus seiner Sicht hätten Sozialpsychiatrischer Dienst, Polizei und Staatsanwaltschaft vorher handeln können.

Heß betonte, dass sich die neue Expertenkommission in einem vergleichbaren Missbrauchsfall, bei dem es einen Tatverdächtigen gibt, künftig austauscht. „Das ist der Plan.“ Es sei schließlich nicht auszuschließen, dass es weitere tragische Missbrauchsfälle gibt.

dpa

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