Prozess in Kiel

Kleinkind stirbt qualvoll

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Ein 19-Jähriger muss sich vor dem Kieler Landgericht für Kindesmisshandlung und Mord verantworten.

Kiel - Von Karen Katzke. Er ist erst 19 Jahre alt, gerade Vater geworden, ihm fehlt die Lebensperspektive, er nimmt Alkohol und Drogen zu sich. Für seine erst vier Wochen alte kleine Tochter eine tödliche Gemengelage. Jetzt beschäftigt sich ein Gericht mit dem Tod des Säuglings.

Er wirkt schmächtig, die Haare kurz geschoren, der Blick scheu, die royalblaue Sweatshirt-Kapuzenjacke mit dem roten Innenfutter lässt sein Gesicht noch blasser erscheinen. Der junge Mann, gerade 19 Jahre alt, kommt am Dienstag in Handschellen in den Saal des Kieler Landgerichts. Dann sitzt er auf der Anklagebank. Gelegentlich schluckt er - die einzig sichtbare Gefühlsregung. Sichtkontakt meidet er.

Die Anklage gegen den Mann aus Kiel: Mord und schwerster Kindesmissbrauch. Details, die Staatsanwältin Melanie von Massow verliest, erschüttern die Zuhörer im Gerichtssaal. Am 27. April kommt der junge Vater demnach mitten in der Nacht heim. Angetrunken und berauscht von halluzinogenen Pilzen. Nach Darstellung der Anklägerin ist er nackt und steckt offenbar voller Wut und Frust über seine aktuelle Lebenssituation und seine mangelnde Lebensperspektive. Die Kleidung legt er nahe der Tankstelle ab, in der er zuvor noch Alkohol kauft.

Auf dem kurzen Heimweg randaliert er bereits, beschädigt unterwegs mehrere Autos, sagt von Massow. Dann lassen ihn seine Eltern auf sein Klingeln ins Haus. Sie sehen im Dunkeln nicht, wie er unbekleidet die Treppen in die kleine Dachgeschoss-Wohnung hochsteigt und von dort die Treppen in das Mansarden-Schlafzimmer nimmt - wo seine Verlobte und die gerade vier Wochen alte kleine Tochter im Bett liegen. Er schickt die junge Frau in aggressivem Ton aus dem Zimmer. Dabei herrscht er die 18-Jährige an, ihn mit der Tochter allein zu lassen, schildert von Massow. 

Dann beginnt - offenbar im wesensverändernden Drogenrausch - ein Horrortrip, den die Anklage in juristische Begriffe wie schwerer sexueller Kindesmissbrauch und Mord aus niedrigen Beweggründen fasst. Demnach vergeht der 19-jährige sich erst brutal an dem Kind. Dann schlägt er den Kopf des kleinen Mädchens mehrfach wuchtig gegen eine Wand oder ein Regal, um die schweren Verletzungen des Missbrauchs zu verdecken. 

Die junge Mutter realisiert das grausige Geschehen erst, als sie hört, wie der 19-Jährige die Tochter anschreit. Als Polizei und Rettungskräfte eintreffen, ist es zu spät. Das Kind stirbt an einem schweren Schädel-Hirn-Trauma. Auch die Mutter des jungen Mannes, die die 18-Jährige zuvor in ihrer Panik zu Hilfe holt, kommt zu spät. Am Fuße der Treppe zum Mansardenzimmer stehend, sieht sie nur noch, wie ihr Sohn die kleine Enkelin totschlägt. Das Bild, das sich ihr und den Einsatzkräften bietet, ist offenbar derart grausig, dass sie von einem Kriseninterventionsteam betreut werden müssen, berichtet die Polizei.

Die Eltern des jungen Mannes sowie die Mutter wollen voraussichtlich vor Gericht nicht aussagen. Der Verwertung ihrer Aussagen vor dem Ermittlungsrichter haben sie aber ausdrücklich zugestimmt, bestätigt die Staatsanwältin.

Die Öffentlichkeit wird gleich nach Verlesung der Anklage ausgeschlossen. Damit sollen entsprechend dem Jugendrecht die Persönlichkeitsrechte des noch als Heranwachsenden geltenden Angeklagten sowie der jungen Mutter und ihres toten Babys geschützt werden. Im Verfahren geht es auch um die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus. Im Gerichtssaal ist auch ein Jugendpsychiater, der zur Frage der Schuldfähigkeit des Angeklagten zur Tatzeit Stellung nehmen wird.  

dpa

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