Coronavirus: Kieler Krisenforscher lobt Bundesregierung / Nur kleine Fehler

Kommunikation ist eine Gratwanderung

Ein gutes Zeugnis stellt Frank Roselieb der Bundesregierung für ihre Krisen-Kommunikation aus. Foto: dpa

Kiel – Bei der Krisen-Kommunikation der Bundesregierung zum neuartigen Coronavirus kann nach Ansicht eines Krisenforschers mehr Transparenz Panik entgegenwirken. „In Deutschland erwarten die Menschen nicht nur eine behördliche Anordnung, sondern auch eine Erklärung“, sagte der Direktor des Kieler Instituts für Krisenforschung, Frank Roselieb.

Zwar gebe es kleinere handwerkliche Fehler in der Kommunikation von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). „In der Summe aber macht die Bundesregierung momentan eine ganz gute Figur.“

Krisen-Kommunikation sei immer eine Gratwanderung, sagte Roselieb. „So richtig gewinnen können Sie diesen Kampf zwischen Alarmismus auf der einen Seite und Augenmaß auf der anderen Seite nicht.“ Spahn habe zudem das Problem, aktuell im Wahlkampfmodus zu sein. „Also ganz egal, was er macht: Die Menschen würden es ihm wahrscheinlich immer als beginnenden Wahlkampf um den CDU-Vorsitz auslegen.“

Zu den Kommunikationsfehlern der Regierung gehört laut Roselieb der Bereich Desinfektionsmittel. „Man sagt den Menschen: Bitte Händewaschen, vergisst dabei aber vollkommen zu sagen: Da reicht Seife völlig aus. Also kommen die Menschen auf den Gedanken, sie müssten Desinfektionsmittel haben.“

Bei den Empfehlungen, im Homeoffice zu arbeiten, sei der Zusatz vergessen worden, dass dies natürlich auch einen Verzicht auf den Besuch eines Sportstudios bedeute.

Als vorteilhaft im Vergleich zu einem zentralistischen Land wie Frankreich sieht Roselieb in der aktuellen Situation die föderale Struktur Deutschlands. Hierzulande werde kleinteilig vorgegangen. Eine ganze Region dichtzumachen, sei deshalb gar nicht unbedingt nötig, sagte Krisenforscher Frank Roselieb.  dpa

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