Die „Friesenhof“-Einrichtung in Dithmarschen war 2015 nach massiven Vorwürfen unter anderem wegen unzureichenden pädagogischen Personals geschlossen worden. - Foto: dpa

Kaufmännische „Friesenhof“-Leiterin sagt aus

Kompromisse beim Personal

KIEL - Die mittlerweile geschlossenen „Friesenhof“-Mädchenheime haben sich seit Jahren in einer finanziell schwierigen Situation befunden. Die Belegungszahlen gingen runter, der Zahlungseingang änderte sich, und es gab zu viel Personal, wie die langjährige kaufmännische Geschäftsleiterin am Montag in Kiel vor dem „Friesenhof“-Untersuchungsausschuss sagte.

Die Sparkasse habe der Einrichtung einen Berater zur Seite gestellt, um aus der Schieflage herauszukommen. Entlassungen und auch die Aufgabe angemieteter Räume seien Bedingung für frisches Geld gewesen. Insgesamt sei die Stimmung in der Einrichtung in den Jahren 2012 und 2013 gekippt.

Die kaufmännische Leiterin sagte in ihrer mehrstündigen Vernehmung auch, dass die Einstellung von Mitarbeitern häufiger eine „Unternehmerentscheidung“ gewesen sei. Wenn sich nicht genügend Fachkräfte beworben hätten, habe es manchmal Kompromisse gegeben. Konkrete Kriterien, mit denen die Eignung Fachfremder für die Arbeit mit den teils schwierigen Mädchen überprüft wurden, konnte die 54-Jährige nicht nennen. Die „Friesenhof“-Einrichtung in Dithmarschen war im Juni 2015 nach massiven Vorwürfen unter anderem wegen unzureichenden pädagogischen Personals geschlossen worden.

Die Zeugin, die von 2007 bis zur Insolvenz 2015 in der Einrichtung tätig war, sagte, der Umschwung ins Negative könne auch damit zusammenhängen, dass die Betreiberin 2011, 2012 etwa ein Jahr krank gewesen sei und und dann zurückkam, um die Geschäfte wieder zu übernehmen. Sie habe viele Dinge anders gemacht. Dies war wohl nicht immer zur Zufriedenheit aller anderen Verantwortlichen, schimmerte durch ihre Aussagen durch. Die Betreiberin habe zudem lange Zeit einen internen Nachfolger für ihr Unternehmen gesucht, 2014 dann aber eine externe Lösung favorisiert, sagte die Zeugin.

Ein weiterer Zeuge, als pädagogischer Koordinator Mitglied der Geschäftsleitung, sagte, ihm sei 2010 von der Betreiberin angeboten worden, die Einrichtung zu übernehmen. Im folgenden Jahr habe es „kommunikative Probleme“ zwischen ihm und der Betreiberin gegeben. Er sei daraufhin seiner Geschäftsführerfunktion enthoben, aber nicht aus dem Handelsregister gelöscht worden. Dies habe er durch Zufall Ende 2013 erfahren. Er habe erst 2014 eine Änderungskündigung erhalten. „Das war dann mein offizielles Ende als Geschäftsführer“, sagte der 49-Jährige. Er wurde dann nach einem Arbeitsgerichtsstreit freigestellt, bis er am 31. Juli 2014 offiziell entlassen wurde. - dpa

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