Zahlenkarussell: einige steigen, andere sinken.
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Zahlenkarussell: einige steigen, andere sinken.

Die Statistik zählt den niedrigsten Stand seit 1977

Kriminalität im Norden sinkt

Kiel – Erneut ist in Schleswig-Holstein die Zahl der registrierten Straftaten gesunken. Sie lag im vergangenen Jahr mit 173 929 Fällen auf dem niedrigsten Stand seit 1977, sagte Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) am Donnerstag bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) für 2020. Im Vergleich zu 2019 sank die Zahl der Straftaten um mehr als 9 500 Fälle.

Zugleich stieg die Aufklärungsquote auf 55,8 Prozent – den besten Wert seit 1963.

Sütterlin-Waack verwies auf den maßgeblichen Einfluss der Corona-Pandemie auf das Kriminalitätsgeschehen. „Allerdings ist dabei die Anzahl der Straftaten mit einem unmittelbaren Corona-Bezug insgesamt als sehr gering einzustufen.“ Es wurden 281 Straftaten nach dem Infektionsschutzgesetz erfasst. Nur in Einzelfällen habe es Widerstand oder andere Fälle von Gewalt im Zusammenhang mit dem Abstandsgebot, der Maskenpflicht oder der Kontaktbeschränkungen gegeben.

Der Lockdown habe den Druck in belasteten Partnerschaften massiv erhöht, sagte Sütterlin-Waack. Bereits 2020 habe es durch Frauenberatungsstellen und andere Organisationen Hinweise auf eine Zunahme partnerschaftlicher Gewalt gegeben. „Das wird nun durch die offiziellen Zahlen bestätigt.“ Es habe einen Anstieg um 3,7 Prozent oder 180 Betroffene im Vergleich zum Vorjahr gegeben. „Leider werden noch weitere hinzukommen.“ Denn über die Zeit von Oktober bis Dezember seien noch keine verlässlichen Aussagen möglich.

Folgen der Pandemie zeigten sich auch im Bereich der Wirtschaftskriminalität. Es gab 169 Fälle des Subventionsbetrugs im Zusammenhang mit Corona-Soforthilfen im vergangenen Frühjahr. „Die Verfahren sind sehr umfangreich und in vielen Fällen mit intensiven Finanzermittlungen verbunden“, sagte Sütterlin-Waack. Es seien noch nicht alle Fälle in der Statistik erfasst. Für 2021 sei eine ähnlich hohe Zahl an Verfahren zu erwarten.

Erfreulich sei der noch einmal deutliche Rückgang um 27 Prozent bei Wohnungseinbrüchen. Dies gehe auch auf die Einschränkungen im Reiseverhalten, das Arbeiten im Homeoffice und das veränderte Freizeitverhalten zurück, sagte die Innenministerin. Unterm Strich gab es 3 268 Einbrüche. Zum Vergleich: 2015 wurden noch 8 456 Fälle erfasst. Die Aufklärungsquote stieg innerhalb von fünf Jahren von 8,9 auf 14,5 Prozent. Sütterlin-Waack betonte, dass im Einbruchsschutzprogramm noch Fördermittel in Höhe von 700 000 Euro zur Verfügung stünden.

Einen Anstieg gab es 2020 hingegen bei Sexualdelikten um 10,7 Prozent im Vorjahresvergleich auf 2 713 gemeldete Fälle, sagte Abteilungsleiter Rolfpeter Ott vom Landeskriminalamt. Darunter falle der Anstieg um 30 Prozent im Bereich kinderpornografischer Inhalte. „Wir gehen davon aus, dass diese Steigerung auch eine Aufklärung des Dunkelfeldes durch Kontrollmechanismen im Internet darstellt.“ Auch die Rauschgiftkriminalität nahm zu. Erstmals gab es mit 11 000 Fällen mehr Straftaten (plus 590 Fälle).

Im vergangenen Jahr wurden im Norden 440 Polizisten verletzt. Es gab 1 280 Fälle von Gewalt gegen Beamte (plus 26). „Wir wissen, dass die Intensität der Gewalt erneut zugenommen hat“, so die Innenministerin. dpa

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