Zweites Jahr in Folge: Krabbenfischer beklagen prekäre Lage

„Kurzarbeit“ auf See

Stillstand: Wegen des Coronavirus ist der Krabbenmarkt um zwei Drittel eingebrochen. Foto: dpa

Pellworm - Von Wolfgang Runge. Mit „Kurzarbeit“ sind die Krabbenfischer im Land in die Saison gestartet. Nur 48 Stunden pro Woche werfen sie im Wattenmeer ihre Netze aus, um das „Gold der Nordsee“ an Bord zu holen, sagt Birger Zetl von der nordfriesischen Insel Pellworm. Darauf hätten sich die Erzeugergemeinschaften und die Händler geeinigt. Hintergrund sei, dass der Krabbenmarkt wegen des Coronavirus um zwei Drittel geschrumpft ist. Weil Hotels und Restaurants geschlossen und die Kühlhäuser der Großhändler voll sind, sei das „Gold der Nordsee“ derzeit kaum gefragt.

„Die Fischer können fischen, kein Problem. Aber die Nachfrage stagniert dadurch, dass die Restaurants geschlossen haben“, erklärt Günter Klever, Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft Küstenfischer der Nordsee. „Die Vermarktung läuft jetzt hauptsächlich über die Discounter – als fertig gepulte und abgepackte Krabben oder als Krabbensalat“, sagt Zetl. „Hotels und die ganze Gastronomie fehlen jedoch.“

Laut ihm stehen die Krabbenfischer nach dem wirtschaftlich schwachen 2019 mit dem Rücken zur Wand. Im vergangenen Jahr litten sie unter dem Rekordergebnis von 2018: Wegen voller Kühlhäuser gab es kaum Bedarf, die Preise purzelten von satten zwölf Euro pro Kilogramm auf knapp drei Euro.

Laut Klever von der Erzeugergemeinschaft Küstenfischer lag der Umsatz unter der Hälfte des Vorjahres. „Wenn ein Jahr der Umsatz wegbricht, kann man das durchhalten. Wenn noch eins kommt, wird’s schwierig. Ganz schwierig“, sagt Kai-Arne Schmidt von der Erzeugergemeinschaft der Deutschen Krabbenfischer.

„Im Herbst mussten viele Betriebe Kredite aufnehmen, um über den Winter zu kommen“, führt Zetl aus. Die sollten jetzt bedient werden. Doch ohne vernünftige Einnahmen seien die Fischer „mehr oder weniger auf das good will der Banken angewiesen. Wir fischen, weil wir müssen. Damit das Minus nicht schnell wächst, sondern langsamer wächst. Aber verdienen tun wir nichts.“

„Wir haben keine andere Wahl: Jeden Cent, den wir kriegen können, müssen wir mitnehmen“, sagt Zetl. Hilfe von außen gibt es für die Fischer bislang nicht. „Wir fallen in die Kategorie der Kleinbetriebe, weil wir wenige Angestellte haben. Damit müssten wir eigentlich diese 9 000 Euro bekommen. Die bekommen wir aber nicht, weil das Kapital unserer Firmen zu groß ist.“ Das Kapital sei das Schiff, sagt Zetl. Die Kutter-Flotte im Land sei „extrem alt“. Sein Kutter habe 35 Jahre auf dem Buckel. Den habe er vor zehn Jahren auf Kredit gekauft. Es sind noch Raten offen. Dazu kommen laufende Kosten. „Im Schnitt alle 10 bis 15 Jahre brauche ich einen neuen Motor. Dann sind 70 000 bis 80 000 Euro weg. Wenn an der Verarbeitungsstraße etwas gemacht werden muss – eine komplette Verarbeitungsstraße liegt im Moment bei um die 120 000 Euro. Oder die Winden. Eine neue Windenanlage kostet 150 000 Euro. In der Regel muss das über Kredite laufen. Wir investieren extrem viel in diese alten Schiffe.“

Eine Alternative wäre der Kauf eines neuen Schiffs. Zetl hatte zu dem Thema einmal bei einer Werft nachgefragt. „Da lagen wir im Bereich von 1,6 bis 1,8 Millionen Euro. Das ist mit unserer Betriebsgröße, mit unserer Art zu fischen nicht zu erwirtschaften.“  dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.