Ankläger fordert lange Haftstrafen für Millionenraub aus Geldtransporter

Nur kurze Freude

Die mutmaßlichen Millionen-Diebe sollen jahrelang in Haft. Die Verteidigung fordert Bewährungsstrafen. - Foto: dpa

Kiel - Im Prozess um den spektakulären Raub von 2,4 Millionen Euro aus einem Geldtransporter in Schleswig-Holstein hat die Staatsanwaltschaft vor dem Kieler Landgericht mehrjährige Haftstrafen für die mutmaßlichen Täter gefordert. Die Verteidiger beantragten dagegen in ihren Plädoyers am Freitag Bewährungsstrafen.

Der 41 Jahre alte Fahrer des Geldtransporters solle für sechs Jahre, sein 48 Jahre alter mitangeklagter Komplize für fünf Jahre und neun Monate ins Gefängnis, sagte Staatsanwalt Florian Müller-Gabriel. Er warf beiden Angeklagten gemeinschaftlichen Diebstahl mit Waffen vor, als sie am 24. Januar bei einem Stopp auf der Autobahnraststätte Kirchbarkau einen rund 100 Kilogramm schweren und einen Kubikmeter großen Geldbehälter in einen gemieteten Transporter umgeladen hätten.

Dagegen sahen die Verteidiger nur Unterschlagung beziehungsweise Beihilfe oder Begünstigung dazu. Das Strafmaß dafür ist deutlich geringer. Auch weil beide Angeklagte nicht vorbestraft seien und es für die Familienväter günstige Sozialprognosen gebe, plädierten deren Anwälte auf Bewährungsstrafen.

Wie der Staatsanwalt sahen auch sie ein erhebliches Mitverschulden der Sicherheitsfirma, deren Schutzmaßnahmen unzureichend gewesen seien. So sei während der Tour von Hamburg nach Kiel der sogenannte Bundesbank-Modus nicht aktiviert gewesen, der ein Öffnen der Heckklappe und einen unbemerkten Zugriff auf das Geld unmöglich gemacht hätte.

Die gestohlene Millionensumme wurde dem Unternehmen inzwischen zurückgegeben – bis auf verschwundene 87 000 Euro. Die Angeklagten hatten das Geld unter anderem in extra dafür angeschafften Gebrauchtfahrzeugen deponiert und sich hin und wieder daran bedient. Sie waren nach mehrwöchiger Überwachung festgenommen worden und sitzen in Untersuchungshaft.

Beide Männer legten im Prozess Geständnisse ab. Der Ankläger bezeichnete diese allerdings „als in wesentlichen Teilen bewusst unwahr“. Insbesondere sei gelogen, dass der Beifahrer in die Tat eingeweiht gewesen sei und dafür habe Geld erhalten sollen, sagte Müller-Gabriel. Die Ermittlungen gegen den 49-Jährigen wurden eingestellt, als sich nach wochenlanger Observation keinerlei Verdachtsmomente gegen ihn ergaben, sagte eine Kriminalbeamtin aus. Die Verteidigung bewertete das Verhalten des Mannes, der anfangs ebenfalls als Tatverdächtiger galt, dagegen als zweifelhaft. Er müsse während der Fahrt und beim Zwischenstopp auf der Autobahnraststätte „ganz doll die Augen zugemacht haben“, sagte einer der Verteidiger. „Anders wäre die Tat nicht zu realisieren gewesen.“ Das Gericht will sein Urteil am 20. November verkünden. - dpa

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