SPD-Bildungspolitiker warnt vor Personalnot in Schulen

Land ist „nicht konkurrenzfähig“

Martin Habersaat, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion, wirft Schulministerin Karin Prien vor, dass das Land im bundesweiten Wettbewerb um Lehrer wegen schlechterer Bezahlung und längerer Arbeitszeiten nicht mithalten kann. Foto: dpa

Kiel – Im Wettbewerb um junge Lehrer ist das Land nach Ansicht der SPD im bundesweiten Vergleich nicht konkurrenzfähig. „Die Nicht-Wiedereinführung des Weihnachtsgeldes und die enttäuschenden Ergebnisse der groß angekündigten Reform der Besoldungsstruktur koppeln Schleswig-Holstein von der bundesweiten Gehaltsentwicklung ab“, sagte Martin Habersaat, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion und stellvertretender Fraktionschef.

Mit Blick auf die am Montag vorgestellte Bertelsmann-Studie zum viel größeren bundesweiten Mangel an Grundschullehrern als bisher prognostiziert, warnte Habersaat vor den Folgen im Norden. Er warf Bildungsministerin Karin Prien (CDU) unzulängliche Maßnahmen vor, die Schulen drohten zunehmend in Personalnot zu geraten.

Laut Bertelsmann Stiftung werden bis 2025 in Deutschland mindestens 26 300 Lehrer an Grundschulen fehlen. Die Kultusministerkonferenz hatte im vergangenen Oktober eine Lücke von mindestens 15 300 Grundschullehrern errechnet. Prien hat aktuell keine belastbaren Zahlen zum langfristigen Bedarf an Grundschullehrern. Diese könnten 2020 vorliegen. Das Land hat, wie Prien betont, bereits ein Maßnahmen-Paket zur Lehrkräftegewinnung geschnürt. So seien deutlich mehr Studienplätze geschaffen und die Zahl der Referendar-Stellen auf den höchsten Stand seit vielen Jahren erhöht worden.

Habersaat warnte, laut Bertelsmann-Studie würden anteilig etwa 380 Stellen für die Grundschulen im Norden nötig sein. Die GEW schätzt den Mangel 2025 sogar auf mehr als 1 000 Grundschullehrer, sollte Prien nicht mit Nachdruck gegensteuern. Habersaat betonte, die Effekte der von der Jamaika-Koalition durchgesetzten G9-Regelung an den Gymnasien würde bis 2025 ebenfalls hunderte Stellen kosten. Es sei nicht nur ein Problem, bei einer möglicherweise verschlechterten wirtschaftlichen Lage Stellen zu finanzieren, sondern es müssten überhaupt erst einmal zusätzliche Lehrkräfte gefunden werden.

„Ein Referendar in Niedersachsen wird besser bezahlt, muss eines Tages weniger Wochenstunden geben und erhält dazu noch Weihnachtsgeld“, sagte Habersaat. Positiv sei, dass die Grundschullehrkräfte in Schleswig-Holstein künftig mit A13 statt A12 besoldet werden sollen. „Erreicht werden soll dieses Ziel allerdings erst im Jahr 2026, das werden sehr viele der heutigen Lehrkräfte gar nicht mehr im aktiven Dienst erleben.“

„Angehende Lehrkräfte werden verheizt“, kritisierte der Politiker. 111 Referendare hätten im Schuljahr 2017/18 bereits bezahlte Mehrarbeit geleistet. „Die angehenden Lehrkräfte sollen zehn Stunden eigenverantwortlich unterrichten“, sagte Habersaat und warnte: „Zusätzliche Arbeitsverpflichtungen in großem Ausmaß gefährden die Qualität der Ausbildung unserer angehenden Lehrer.“

Als Wettbewerbsnachteil nannte Habersaat die Arbeitszeit. „Die Lehrkräfte an Gymnasien in Schleswig-Holstein arbeiten beispielsweise im Vergleich zu Niedersachsen zwei Pflichtstunden mehr, Lehrkräfte an Gemeinschaftsschulen 2,5 Pflichtstunden“, sagte der SPD-Politiker. Hinzu komme, dass insbesondere Lehrer an Grund- und Gemeinschaftsschulen sich neuen Aufgaben wie der Inklusion, Sprachförderung, Arbeit in multiprofessionellen Teams oder Ganztagsunterricht stellen müssten.

Weit mehr als 20 000 Unterrichtsstunden werden laut Habersaat in jeder Woche von Hilfslehrern ohne zweites Staatsexamen erteilt. Die Forderung der SPD, den Schulen Ressourcen für die Unterstützung dieser Hilfslehrkräfte zur Verfügung zu stellen, sei bei der Regierung ins Leere gelaufen. „Viele Lehrkräfte helfen diesen Kollegen quasi ehrenamtlich, was eine zusätzliche Belastung für die regulären Kräfte bedeutet“, sagte Habersaat. „Es ist nicht in Ordnung, sich als Land darauf zu verlassen.“ Außerdem kritisierte er, dass 136 Schulassistenten noch immer befristet beschäftigt werden. Das Ergebnis der Evaluation der Schulassistenz, die bis in die Sommermonate lief, liege bis heute nicht vor.

Zudem gebe es noch immer keine Verbesserungen bei der Schulbegleitung. Einige Träger böten interne Ausbildungen an, andere nicht. Manche nutzten die für die Schulassistenz geschaffenen Ausbildungsmodule. Auch im Bereich Schulbegleiter werde mit Fristen gearbeitet. „Das sind keine guten Arbeitsvoraussetzungen.“  dpa

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