Urlaub an den Stränden Schleswig-Holsteins ist für Touristen aus den Städten Hamm und Remscheid sowie den vier Berliner Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte, Neukölln und Tempelhof-Schöneberg bisher nur mit negativen Corona-Tests möglich.
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Urlaub an den Stränden Schleswig-Holsteins ist für Touristen aus den Städten Hamm und Remscheid sowie den vier Berliner Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte, Neukölln und Tempelhof-Schöneberg bisher nur mit negativen Corona-Tests möglich.

Ministerpräsident ist bereit, Reisebeschränkungen zu ändern

Land signalisiert Einlenken

Kiel – Möglicherweise können Berliner aus Bezirken mit hohen Corona-Zahlen doch noch Schleswig-Holstein als Reiseziel für ihren Herbsturlaub wählen. Das Land ist grundsätzlich bereit, seine bisherige Einstufung von inländischen Corona-Risikogebieten zu ändern. „Wir haben im Kabinett heute intensiv beraten und es besteht eine grundsätzliche Absicht, unsere Regelungen anzupassen“, sagte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) gestern nach der Kabinettssitzung in Kiel. Schleswig-Holstein wolle eine bundeseinheitliche Regelung.

Wegen der Ausweisung inländischer Risikogebiete mit Quarantäneauflagen für Einreisende – aktuell zum Beispiel für Urlauber aus vier Berliner Bezirken und aus den Städten Hamm und Remscheid in Nordrhein-Westfalen – ist Schleswig-Holstein in die Kritik geraten. Allein in Berlin gilt die Regelung für 1,3 Millionen Menschen.

„Schleswig-Holstein hat sich gestern bereits auf Ebene der Staatskanzleien und in der Konferenz der Gesundheitsminister für eine bundesweit einheitliche Regelung in Bezug auf die innerdeutschen Risikogebiete stark gemacht, auch unter Preisgabe unserer seit Ende Juni bestehenden Regelung“, erläuterte Günther.

Angesichts der steigenden Corona-Infektionszahlen etwa in Berlin hat neben Schleswig-Holstein auch Rheinland-Pfalz Einreisebeschränkungen mit Quarantäneregeln und Pflichttests für Reisende aus innerdeutschen Hotspots festgelegt. „Es spricht viel dafür, diese Regelung von Schleswig-Holstein und auch Rheinland-Pfalz auch in Bayern anzuwenden“, sagte Ministerpräsident Markus Söder gestern. Es solle aber zunächst versucht werden, zu einer „national halbwegs verbindlichen Sprachregelung“ zu kommen. „Das wäre auch für die Bürger am Besten“, betonte er und warnte vor einem neuen „Flickenteppich“. „An der Stelle gibt es wieder unglaublich viel Verwirrung und unglaublich viel Verunsicherung.“ Man brauche deshalb auf jeden Fall bis zum Beginn der Herbstferien in den anderen Bundesländern eine einheitliche Sprachregelung. Heute solle es eine Schalte der Chefs der Staatskanzleien der Länder geben, kündigte Söder an. Dies werde Bayern abwarten.

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hatte am Montag Schleswig-Holstein vorgeworfen, einen Sonderweg zu gehen, der bei der Corona-Eindämmung nicht helfen werde. Wenn jetzt Reisegebiete in Deutschland gesperrt werden, „dann kommen wir in eine Situation, die schwer zu rechtfertigen ist“, sagte Lauterbach. „Wir müssen die Virusbekämpfung und die Beherrschung der Pandemie in den Hotspots in den Vordergrund nehmen, nicht wohin die Leute reisen können.“

Für Urlauber oder Urlaubs-Rückkehrer hat die Einstufung als Risikogebiet zur Folge, dass sie sich in Schleswig-Holstein sofort 14 Tage in Quarantäne begeben oder zwei negative Corona-Tests vorweisen müssen. Einer der beiden Tests darf frühestens fünf Tage nach der Einreise in Schleswig-Holstein gemacht werden. Erst wenn die negativen Ergebnisse für beide Tests vorliegen, darf die Quarantäne verlassen werden.

De facto bedeuten diese Corona-Regelungen in Schleswig-Holstein, dass mehr als 1,3 Millionen Berliner aus den vier betroffenen Bezirken in den Herbstferien praktisch keinen Urlaub in Schleswig-Holstein machen können – ebenso die Einwohner von Hamm und Remscheid.

Günther betonte, Ziel müsse „der Schutz gerade der vulnerablen (Anm. d. Red anfälligen) Gruppen bei uns im Land sein, gleichzeitig brauchen wir aber eine praktikable Lösung zum Umgang mit Reisen in und aus innerdeutschen Hotspots. Wir werden daher das Ergebnis der heutigen Beratungen abwarten und anschließend über unser weiteres Vorgehen.“  dpa

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