Experten rechnen mit regelmäßigen Überflutungen

Land unter auf Fehmarn

Überschwemmungen werden nach Ansicht von Klimaforschern in den kommenden Jahrzehnten stark zunehmen. Foto: dpa

Fehmarn/Hannover - Von Lars Laue. Erschreckende Nachrichten aus den USA: Amerikanischen Forschern zufolge könnten aufgrund der Erderwärmung, die Pole und Gletscher schmelzen und die Meeresspiegel steigen lässt, bereits in gut 30 Jahren Teile von Deutschland regelmäßig überflutet sein.

Insbesondere die Nordseeinseln werden nach der Prognose von Hochwasser betroffen sein – aber auch Teile von Rügen, Fehmarn und Ostfriesland sowie dem Oldenburger Land und dem Emsland. Im Jahr 2100 sind – nach den Berechnungen der Wissenschaftler Scott A. Kulp und Benjamin H. Strauss von der angesehenen Universität Princeton – auch die Großstädte Hamburg und Bremen gefährdet. Auch gut die Hälfte der Niederlande könnten regelmäßig überflutet sein. Diese Erkenntnisse sind das Ergebnis eines verbesserten globalen Höhendatensatzes, mit dem die beiden Forscher neue Geländemodelle erarbeitet haben.

Nicht ganz so dramatisch sieht der renommierte Klimaforscher Mojib Latif die aktuelle Prognose. Von „absaufen“ könne jedenfalls keine Rede sein. „Die Überflutung hängt ganz entscheidend davon ab, wie genau das Terrain aussieht. Es ist ja nicht immer flach.“

Andererseits können sich gerade in Ballungsgebieten Messfehler ergeben: „Hier können etwa Hochhäuser vortäuschen, dass das Gelände höher liegt, als es tatsächlich der Fall ist.“ Die Autoren hätten jetzt „ein verbessertes Höhenmodell vorgestellt und sagen, dass sich dadurch das Risiko für temporäre Überflutungen bei extremen Wasserständen deutlich erhöht und mehr Menschen betroffen wären als bisher angenommen“, erklärt der Wissenschaftler des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel.

Für Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (Sande, Kreis Friesland) belegt die Studie „die mittlerweile dramatischen Entwicklungen der vergangenen Jahre“. „Der vorhergesagte Anstieg des Meeresspiegels zwischen 60   Zentimetern und 1,10 Meter wird sich elementar auf die Küsten auswirken“, betont der SPD-Politiker und fügt hinzu: „Die Menschen an der Küste müssen sich zwar heute und in den Folgejahren keine Sorgen machen. Dafür garantieren unsere sicheren Deiche. Aber wenn wir bei der Erderwärmung so weiter machen wie bisher, dann besteht die Gefahr, dass der Meeresspiegel in der Nordsee deutlich über einen Meter bis zum Jahr 2100 ansteigt. Und diese Situation ist mit den heutigen Möglichkeiten kaum in den Griff zu kriegen“, warnt Lies, der deshalb auch einen „konsequenten Klimaschutz“ einfordert.

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