Ausnahmegenehmigungen sind für Windkraftanlagen weiter erforderlich

Land verlängert Ausbaustopp

Nur 20 neue Windkraftanlagen sind im vergangenen Jahr genehmigt, dafür 30 stillgelegt worden. Foto: Guido Menker

Kiel – Im Windland Schleswig-Holstein dürfen neue Windanlagen bis Ende kommenden Jahres weiterhin nur mit Ausnahmegenehmigungen gebaut werden. Der Landtag hat gestern beschlossen, das bestehende Moratorium zu verlängern. Die Landesregierung braucht weitere Zeit, um neue Regionalpläne zu erarbeiten.

Dem Gesetzentwurf von CDU, Grünen und FDP stimmte auch die AfD zu. Die SPD enthielt sich unter Hinweis auf erhebliche Zweifel an der Rechtssicherheit der Moratoriumsverlängerung. Im Innen- und Rechtsausschuss hatte die SPD noch zugestimmt. Der Südschleswigscher Wählerverband (SSW) lehnte die Verlängerung ab.

Der Windkraft-Ausbau hatte 2015 einen herben Rückschlag erlitten. Damals kippte das Oberverwaltungsgericht die damaligen Pläne. Seitdem gilt grundsätzlich ein Moratorium für neue Anlagen, um Wildwuchs zu verhindern. Nur über Ausnahmegenehmigungen sind Neubauten möglich. 2018 wurden nur noch 20 neue Anlagen genehmigt, aber 30 stillgelegt.

Eine so niedrige Zahl wie 20 dürfe sich nicht wiederholen, sagte der Grüne Bernd Voß. Die Jamaika-Koalition sei bei dem Thema nicht zerstritten. SPD-Fraktionschef Ralf Stegner warf der Regierung Versagen in der Energie- und Klimaschutzpolitik vor. Die Grünen wirkten mit CDU und FDP als Bremser. „Wir arbeiten weiterhin mit Hochdruck an der Erstellung der neuen Wind-Regionalpläne“, sagte Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU). „Bis zum derzeit vorgesehenen Auslaufen des Moratoriums im Juni werden wir das Verfahren aber nicht abschließen können.“ Dies sei dem komplexen und umfassenden Planungsprozess geschuldet. Ziel sei es, dass die neuen Regionalpläne in der zweiten Hälfte 2020 in Kraft treten können. Grote räumte ein, dass die Verlängerung des Moratoriums sich in einem rechtlichen Spannungsfeld befinde. Ein geregelter Ausbau sei mit den Ausnahmegenehmigungen möglich und gewünscht.

Gegen den zweiten Planentwurf hatte es mehr als 4 000 Einwendungen gegeben, die alle für die neue Planung berücksichtigt werden müssen. Die Anliegen der Bürger müssten ernstgenommen werden, sagte der FDP-Politiker Oliver Kumbartzky. Ein nunmehr dritter Planentwurf soll bis Ende dieses Jahres vorliegen. Im Sommer 2020 könnte sich dann der Landtag mit der weiteren Windkraftplanung befassen.

Trotz des Moratoriums seien bisher 433 Ausnahmegenehmigungen erteilt worden, sagte Minister Grote. Mit einem Begleitantrag wurde die Landesregierung gebeten zu prüfen, welche Maßnahmen zur Ausbaubeschleunigung umgesetzt werden können. „Die Bevölkerung muss mitgenommen werden“, sagte Claus-Christian Claussen von der CDU. „Sonst drohen viele Klagen.“ Die Begeisterung der Menschen für neue Anlagen habe deutlich abgenommen. Bundesweit gebe es einen klaren Rückgang beim Bau neuer Anlagen.

„Jamaikas“ Bilanz in der Energiepolitik sei verheerend, sagte Thomas Hölck von der SPD. Das Land habe seine Vorbildfunktion verloren. Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) drehe der Energiewende mit einer „windigen Politik“ den Saft ab. AfD-Fraktionschef Jörg Nobis bescheinigte Jamaika „chaotischen Streit“ in der Energiepolitik. Die Höhe der Fördermittel für erneuerbare Energien in Deutschland sei unverantwortlich, die Akzeptanz in der Bevölkerung für Windenergie nehme ab. Jeder Tag, an dem keine neue Anlage gebaut werde, sei ein guter für das Land. „Jamaika“ lasse einen wichtigen Wirtschaftszweig am langen Arm verhungern, sagte Lars Harms vom SSW. Die Verlängerung des Moratoriums werfe das Land um Jahre zurück. Bei nur einer erfolgreichen Klage drohe eine „Verspargelung“, also ein unkontrollierter Bau neuer Anlagen.

Nach Angaben des Innenministeriums sind aktuell 267 Anträge für neue Windräder genehmigungsfähig, die noch bearbeitet werden, Gesamtleistung: 850 Megawatt. Bei etwa der Hälfte der Anträge sei mit einer Genehmigung im Laufe des Jahres zu rechnen. Ende 2018 waren im Land 2 959 Windräder in Betrieb, 117 weitere Anlagen standen vor der Inbetriebnahme. Die installierte Gesamtleistung betrug 6,9 Gigawatt. Bis 2025 sollen es zehn Gigawatt werden.  dpa

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