Gerhard Ulrich, Landesbischof der Nordkirche, fordert die katholische Kirche zum Entgegenkommen auf. - Foto: dpa
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Gerhard Ulrich, Landesbischof der Nordkirche, fordert die katholische Kirche zum Entgegenkommen auf.

Landesbischof fordert Überwindung konfessioneller Unterschiede

Jesus hätte es so gewollt

Hamburg/Schwerin/Kiel - Im Reformations-Gedenkjahr wünscht sich der leitende lutherische Bischof Gerhard Ulrich von der katholischen Kirche ein Entgegenkommen, um miteinander Abendmahl feiern zu können. „Papst Franziskus ist ja immer für Überraschungen gut“, sagte der leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD). Ulrich ist zudem Landesbischof der Nordkirche mit Hauptsitz in Schwerin. Der VELKD gehören sieben Landeskirchen mit 9,5 Millionen Protestanten an.

Der Papst habe bei seinem Besuch der lutherischen Gemeinde in Rom im November 2015 ein sehr symbolträchtiges Geschenk mitgebracht – einen Abendmahlskelch. „Ich glaube, dass dieses Zeichen etwas zu bedeuten hat.“ Franziskus habe damals gesagt, jeder möge sein Gewissen prüfen und dann tun, was ihm der Glaube gebiete.

Vor 500 Jahren soll Martin Luther seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel der Kirche am 31. Oktober 1517 an die Schlosskirche von Wittenberg genagelt und damit die Reformation ausgelöst haben. Sie führte zur Kirchenspaltung und Gründung protestantischer Kirchen.

„Ich wünsche mir gerade in Deutschland eine Lösung für die konfessionsverschiedenen Ehen – die Ehepartner sollten zur katholischen Eucharistie und zum protestantischen Abendmahl gehen können“, betonte Ulrich den Wunsch einer einvernehmlichen Lösung. In der Liturgie heiße es „Alle sind eingeladen zum Tisch des Herrn“, erklärte er. Aber Rom lasse dies für Protestanten nicht zu, „und das merke ich immer wieder sehr schmerzlich“.

„Die gegenseitige Zulassung zum Abendmahl wäre im Falle der konfessionsverschiedenen Ehen möglich, auch ohne die unterschiedlichen theologischen Auffassungen in der Frage der geistlichen Ämter zu klären“, sagte Ulrich. Das Abendmahl sei nun einmal das Sakrament, „das uns gemeinsam ist“. Katholische Geistliche hätten ihm gesagt, an der Liturgie könnten sie nicht erkennen, worin die Trennung sich begründe.

Inzwischen hat sich die sehr negative Sicht Roms auf Luther allein als Kirchenspalter nach Ansicht Ulrichs deutlich gewandelt. „Viele im Vatikan wie Papst Franziskus oder Kardinal Kurt Koch erkennen an, dass Luther dem gemeinsamen Glauben und der gemeinsamen Theologie viel gegeben hat.“

Konfessionen müssen im Dialog bleiben

Ulrich zeigte sich zuversichtlich, dass der theologische Dialog zu den ungelösten Streitthemen Eucharistie, Amt, Ekklesiologie (Verständnis von Kirche) auch nach dem Reformationsjahr weitergehen wird. Er verwies auf das historische Treffen im Oktober im schwedischen Lund, wo der Papst und Lutheraner gemeinsam Gottesdienst feierten und eine gemeinsame Verpflichtung zum theologischen Diskurs unterschrieben.

Auf die Frage, ob Rom den einst verteufelten Reformator eventuell einmal heilig sprechen könnte oder sollte, antwortete Ulrich: „Auf eine Heiligsprechung Martin Luthers kann ich als Protestant verzichten, weil er zur Gemeinschaft der Heiligen gehört: Mit der Taufe ist jeder Christ ein Heiliger.“  

So unterschieden sich die Abendmahlsfeiern bei Protestanten und Katholiken

Die christlichen Kirchen erinnern mit Abendmahlsgottesdienst und Eucharistiefeier an die von der Bibel überlieferte letzte Zusammenkunft Christi mit den zwölf Aposteln. Am Abend vor seiner Kreuzigung teilte Jesus nach christlichem Glauben Brot und Wein und bat seine Jünger, zum Gedächtnis an seinen Tod künftig das Abendmahl zu begehen. Die Feiern sind noch heute in den christlichen Glaubensgemeinschaften Höhepunkt des Gottesdienstes. Nach katholischem Verständnis sind bei der Eucharistie Brot und Wein identisch mit Leib und Blut Christi. Nach evangelischer Überzeugung sind sie im Abendmahlsgottesdienst mit der Präsenz Christi verbunden.

dpa

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