Bankangestellte  noch verängstigt

Mutmaßliche Diebe schweigen vor Gericht

Flensburg - Zwei mutmaßliche Bankräuber im Alter von jetzt 24 und 30 Jahren müssen sich seit Montag vor dem Landgericht Flensburg verantworten. Das Duo soll im Februar eine Bank in Großenwiehe (Kreis Schleswig-Flensburg) überfallen haben.

Der jüngere der beiden habe die drei Bankangestellten mit einer geladenen Schreckschusspistole bedroht und Geld gefordert, sagte der Staatsanwalt bei der Verlesung der Anklageschrift. Er sei mit einem schwarzen Kapuzenpulli, einer schwarzen Basecap und einem schwarzen Tuch maskiert gewesen. Der ältere Angeklagte habe währenddessen vor der Bank im Fluchtauto gewartet. Das Duo erbeutete 19.000 Euro. Sie sitzen seit dem 21. Juni in U-Haft. Beide Angeklagten schwiegen zu den Vorwürfen.

Dafür schilderten zwei Bankangestellte, die auch Nebenklägerinnen in dem Prozess sind, als Zeuginnen, wie sie den Überfall erlebt haben. Sie habe gegen 10.10 Uhr bemerkt, dass ein Auto viel zu schnell an der Eingangstür vorbeigerast sei, sagte eine 28-Jährige sichtlich mitgenommen. Kurze Zeit später sei ein maskierter Mann in die Bank gekommen. „Er hat die Waffe auf uns gerichtet und gesagt, wir sollen keinen Scheiß machen und dass es ein Überfall ist.“

Eine Kollegin habe ihm gesagt, dass der Tresor eine Art Zeitschaltuhr habe und nicht aufgehe. Da sei er richtig aggressiv geworden und habe rumgeschrien und gedroht, zu schießen. „Ich habe dann den Handtresor aufgemacht, weil ich so Angst hatte.“ Der Mann stopfte den Inhalt den Angaben der Zeugin zufolge in einen Rucksack, verschwand aus der Bank und stieg in das schwarze Auto. Der Mann sei klein gewesen und habe Hochdeutsch gesprochen.

Ihre 61 Jahre alte Kollegin schildert den Vorfall ähnlich. Auch sie berichtet vom aggressiven Auftreten des Bankräubers. Als er mit der Beute verschwand, sei er dann fast kumpelhaft aufgetreten, habe ihnen noch ein „Ihr seid ja versichert“ zugerufen.

Obwohl sie nicht verletzt wurden, leiden beide Frauen noch heute gesundheitlich unter der Tat. Beide sind seitdem fast ununterbrochen krankgeschrieben. Nach dem Überfall habe sie gedacht, es gehe schon und dass sie sich erst um ihre Kolleginnen kümmern müsse, sagte die 61-Jährige. „Sie sind so viel jünger als ich, eine von ihnen war schwanger.“ Doch dann holte sie die Tat ein. „Ich träume sehr häufig von dem Tag“, sagte sie. Auch habe sie oft Angst, sehe überall Täter. Ihre 28 Jahre alte Kollegin leidet eigenen Angaben zufolge unter anderem unter Schlafstörungen und fürchte sich im Dunkeln.

Für den Prozess sind noch fünf weitere Verhandlungstage bis zum 20. Dezember angesetzt. Dem älteren Angeklagten wird zusätzlich der Besitz kinderpornografischer Schriften vorgeworfen. Auf seinem Handy sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft Bild- und Videodateien mit entsprechendem Inhalt gefunden worden sein. Dieser Vorwurf wird mitverhandelt. Über seinen Anwalt ließ der 30-Jährige erklären, das Handy wenige Wochen vor der Beschlagnahmung gebraucht gekauft und von den Dateien nichts gewusst zu haben.

dpa

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