Wegen Mordes an eigener Frau

Lebenslang in Haft: „Wie im Krimi“

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Ein 40-Jähriger (M.) tötet seine Ehefrau, weil sie dem Leben mit seiner Geliebten im Weg ist. Die Leiche vergräbt er im Garten. Das Gericht wertet das als Mord. 

Lübeck - Er wollte mit seiner Geliebten ein neues Leben beginnen. Seine Ehefrau war diesem Plan im Weg, deshalb musste sie sterben. Die Leiche versteckte er zunächst in einem Schuppen. Einige Tage später vergrub er sie im Garten. Genau elf Monate nach der Tat im Dezember 2017 verurteilte ihn das Lübecker Landgericht am Montag wegen Mordes an seiner Ehefrau zu lebenslanger Haft. Das Geschehen erinnere an einen fantasievollen Krimi, sei aber grausame Realität, sagte Christian Singelmann, Vorsitzender der Schwurgerichtskammer.

Mit dem Urteil folgte das Gericht den Anträgen der Staatsanwaltschaft und der Nebenklage. Eine besondere Schwere der Schuld, wie von der Staatsanwaltschaft gefordert, stellten die Richter jedoch nicht fest. Dadurch wäre eine Strafaussetzung zur Bewährung nach 15 Jahren erschwert worden. „Dafür sind die gesetzlichen Voraussetzungen nicht erfüllt, sagte Singelmann. Die Verteidigung hatte eine Verurteilung wegen Totschlags beantragt und kündigte Revision an.

Die Beweisaufnahme habe ergeben, dass der Angeklagte in der Nacht vom 26. auf den 27. Dezember seine schlafende Frau mit einem Kissen erstickt habe, sagte Singelmann. Seine Freundin, eine Nachbarin und Kameradin von der Freiwilligen Feuerwehr, zog noch am Abend des 27. Dezember bei ihm ein. „Sie schliefen im Ehebett des Angeklagten und schon am folgenden Abend gab es sexuelle Kontakte“, sagte der Richter. Damit sei die Behauptung des Angeklagten widerlegt, er habe die Nachbarin nur aus Hilfsbereitschaft aufgenommen, nachdem sie sich von ihrem gewalttätigen Ehemann getrennt hatte.

Mit gesenktem Blick und in stoischer Haltung folgte der Angeklagte der Urteilsverkündung. Der arbeitslose Lagerist hatte während der gesamten Hauptverhandlung zu den Tatvorwürfen geschwiegen. Im Gespräch mit der psychiatrischen Sachverständigen hatte er jedoch zugegeben, seiner Frau ein Kissen aufs Gesicht gedrückt zu haben. Als er am Morgen aufgewacht sei, habe seine Frau tot neben ihm gelegen, hatte er gesagt.

Nachbarn, Feuerwehrleute und Kollegen der Ehefrau verfolgten im Gerichtssaal die Urteilsverkündung. Die Kollegen hatten die Ermittlungen ins Rollen gebracht, in dem sie Vermisstenanzeige erstatteten, als ihre Kollegin am 29. Dezember nicht zur Arbeit in einem Hotel im Ostseebad Scharbeutz erschien. „Die Erklärung ihres Mannes, sie sei zum Arbeiten in die Schweiz gefahren, haben wir von Anfang an nicht geglaubt. Davon hätte sie uns erzählt“, hatten Kolleginnen ausgesagt.

„Die Geschichte mit der Schweiz war eine Legende, die der Angeklagte aufgebaut hatte, um das Verschwinden seiner Frau zu erklären“, sagte Singelmann. Auch seinem Sohn, den Nachbarn und der Polizei, die Anfang Januar bei ihm auftauchte, tischte er dieses Märchen auf. Um die Geschichte zu bekräftigen, schickte er Neujahrsgrüße per Whatsapp an das Handy seiner Frau. „Melde dich mal, damit wir wissen, wie es dir geht“, schrieb er. Kurz darauf vergrub er die Leiche seiner Frau im Garten. 

dpa

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