Es hat sich schon etwas getan bei der Marschbahn. Doppelstockzüge sorgen dafür, dass mehr Passagiere auf der Strecke von Itzehoe nach Sylt unterwegs sein können. Jetzt setzt sich der schleswig-holsteinische Landtag dafür ein, die Strecke zügig zu elektrifizieren, damit sich langfristig auch die Ökobilanz verbessert.
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Es hat sich schon etwas getan bei der Marschbahn. Doppelstockzüge sorgen dafür, dass mehr Passagiere auf der Strecke von Itzehoe nach Sylt unterwegs sein können. Jetzt setzt sich der schleswig-holsteinische Landtag dafür ein, die Strecke zügig zu elektrifizieren, damit sich langfristig auch die Ökobilanz verbessert.

Erst ein Drittel der Strecken angeschlossen / Marschbahn soll Vorrang erhalten

Landtag für Elektrifizierung der Bahn

Kiel – Mit großer Mehrheit hat sich der Landtag für die Elektrifizierung von Bahnstrecken in Schleswig-Holstein starkgemacht. Das Land der Energiewende halte mit einem Anteil von nur 29  Prozent die rote Laterne, sagte der Grünen-Verkehrspolitiker Andreas Tietze am Freitag im Landtag. „Ich finde das schon krass.“ Sein CDU-Kollege Lukas Kilian stellte klar:

„Wir wollen alle die Elektrifizierung auf jeder möglichen Strecke.“ Klare Priorität für die Jamaika-Koalition hat aber die wichtige Strecke von Itzehoe nach Sylt, die sogenannte Marschbahn.

Im Norden sind derzeit laut Verkehrsministerium 376 Bahnkilometer (29 Prozent des Streckennetzes) elektrifiziert. Die Bundesregierung hat einen Anteil von 70 Prozent bis 2025 als Ziel ausgegeben. Um diese Quote zu erreichen, müssten im Norden Stromleitungen an etwa 500  Kilometern Schiene gebaut werden.

Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) sieht gute Chancen für einen schnelleren Umstieg auf Strom auf der Bahnstrecke von Itzehoe nach Niebüll. Er spreche mit Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) über eine beschleunigte Planung auf dem 120 Kilometer langen Abschnitt der Marschbahn, sagte Buchholz. Das würde die Dauer des Ausbaus auf drei bis vier Jahre verkürzen.

Möglich macht dies nach Angaben von Buchholz eine Gesetzesänderung, wonach unter bestimmten Voraussetzungen auf lange Planfeststellungsverfahren verzichtet werden kann. Das gilt aber nicht für den letzten Streckenabschnitt auf die Nordseeinsel: „Wir werden nicht über den Hindenburgdamm einfach sagen: Da passiert schon nix mit der Umwelt. Da ist ein wirklich sensibler Bereich“, meinte Buchholz.

Die Kosten für den Ausbau betragen schätzungsweise rund 400 Millionen Euro. 90  Prozent davon übernimmt der Bund, das Land 40 Millionen Euro. Langfristig gebe es Einsparungen in Höhe von acht Millionen Euro im Jahr, sagte Buchholz. Er verwies auf ökologische Vorteile. Schätzungsweise rund 10 000    Liter Diesel würden jährlich eingespart, wenn die Bahn auf Ökostrom umsteige. Alternative Lokomotiven mit Wasserstoff- oder Elektro-Antrieb für das Streckenprofil gebe es nicht.

Die SPD hat sich zudem für einen zweigleisigen Ausbau und eine Elektrifizierung der Bahnstrecke von Neumünster nach Bad Oldesloe ausgesprochen. Die niedrige Elektrifizierungsquote sei ein Armutszeugnis, sagte der Verkehrspolitiker Kai Vogel. In der laufenden Wahlperiode sei bislang nichts passiert. Der Grünen-Abgeordnete Tietze sieht nur Vorteile durch das Fahren mit „Strom vom Deich statt mit Öl vom Scheich“. Ein Erkenntnisdefizit gebe es nicht. „Wir sind schneller, wir sind pünktlicher – auch bei Gegenwind übrigens.“

Nach Angaben von Buchholz könnte der Bahnverkehr im Norden 2030 komplett dieselfrei laufen. Möglich machen sollen das der Ausbau und die Elektrifizierung der Strecke von Itzehoe nach Sylt und der geplante landesweite Einsatz von 55 Batterie-Zügen auf Nebenstrecken.  dpa

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