„Unter einem Verzicht würden Tiere leiden“

Landwirte wollen Antibiotika

Rendsburg - Auf Antibiotika in der Tierhaltung können die Landwirte nach Auffassung des schleswig-holsteinischen Bauernverbandes nicht verzichten. „Unter einem kompletten Verzicht auf Antibiotika würden am meisten die Tiere leiden“, sagte Vorstandsmitglied Dietrich Pritschau. Er ist selbst Schweinehalter und kenne keinen Landwirt, der sich nicht täglich Gedanken um die Tiergesundheit mache – und sei es aus rein wirtschaftlichem Eigeninteresse. Für ihn stehe fest: „Wir werden uns weiter um noch gesündere Tiere kümmern müssen.“

Ziel sei es daher, als Alternative zu Arzneimitteln ergänzende andere Lösungen zu finden – über die Fütterung der Tiere, die Ferkelaufzucht oder eine striktere Trennung von Kot und Tier.

Landeslabor: „Es gibt Verbesserungsbedarf“

Jeder sechste Masttierbetrieb in Schleswig-Holstein setzt noch viele Antibiotika ein. Vor zwei Jahren war es noch jeder vierte Betrieb, der Medikamente in der Tierhaltung stark nutzte. Diese Entwicklung belegen Zahlen, die das Landeslabor Schleswig-Holstein in seinem Jahresbericht veröffentlichte. „Der Einsatz von Antibiotika muss auf das absolut Notwendige zurückgefahren werden. Hier gibt es noch Verbesserungsbedarf“, sagte dazu Agrarstaatssekretärin Anke Erdmann.

„Natürlich sind wir bemüht, den Einsatz von Antibiotika weiterhin zu reduzieren“, sagte Bauernfunktionär Pritschau. Der Ansatz der Politik sei richtig. Heute habe er aber manchmal schon den Eindruck, „dass manch ein Tierhalter zu sehr an Antibiotika spart – zu Lasten der Tiergesundheit“.

Zu starker Einsatz begünstigt Resistenzen

Antibiotika sind laut Landeslabor das wichtigste Mittel, um bakterielle Infektionskrankheiten bei Tieren zu behandeln. Gerade bei Schweinen seien sie effektiv, um häufig auftretende Durchfallerkrankungen zu kurieren. Das Problem: Der Einsatz von Antibiotika begünstigt bei Tieren und bei Menschen die Entwicklung von Resistenzen. Bakterien können unempfindlich gegenüber den Arzneimitteln werden und sich trotz der Behandlung gut vermehren.

So wirken zwei von drei gängigen Antibiotika, die Landwirte in Schleswig-Holstein in der Schweinemast verwenden, bei lediglich einem Drittel bis der Hälfte der Tiere. Das Landeslabor in Neumünster bewertet am Beispiel der Schweine Krankheitsursachen, die Einsatzhäufigkeit von Antibiotika und die Ausbildung von Resistenzen. Allein bei den Aufzuchtferkeln sind landesweit im vergangenen Jahr 237 Pläne zur Antibiotika-Reduzierung erstellt worden; bei den Mastschweinen waren es 585.

Eine Alternative zur Verabreichung der umstrittenen Medikamente ist die Impfung. Allerdings können Masttiere erst dann geimpft werden, wenn der Keim erkannt worden ist. J dpa

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