Bildungsministerin Prien will dem Mangel entgegentreten

130 Lehrer braucht das Land

130 Lehrstellen sind derzeit im Land noch unbesetzt. Foto: dpa

Kiel – Mit finanziellen Anreizen will Bildungsministerin Karin Prien (CDU) dem Lehrermangel in ländlichen Regionen Schleswig-Holsteins entgegentreten. So erhielten in diesem Schuljahr Referendare in den Kreisen Dithmarschen, Steinburg, Herzogtum Lauenburg und Segeberg erstmals einen Zuschlag von 250 Euro. 20 Lehreranwärter hätten dieses Angebot angenommen, sagte Prien gestern. Weitere 43 Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst seien in diese vier Kreise gegangen, haben sich aber bewusst gegen den Zuschlag entschieden, weil sie sich nicht dazu verpflichten wollten, fünf Jahre in der Region zu bleiben.

Rechnerisch sind an den Schulen im Norden derzeit noch 130 Lehrerstellen unbesetzt und damit laut Ministerium ähnlich viele wir vor einem Jahr. „Bei 23 345 Planstellen ergibt das eine Besetzungsquote von über 99 Prozent“, sagte Prien. Am Anfang des Schuljahres seien noch 259 Stellen unbesetzt gewesen. Wären alle besetzt, entspräche das einer theoretischen Unterrichtsversorgung von 101 Prozent.

„Das bedeutet aber nicht, dass nirgendwo Unterricht ausfallen wird“, sagte Prien. Im vergangenen Schuljahr 2018/19 waren an den allgemeinbildenden Schulen zwei Prozent des Unterrichts ersatzlos ausgefallen, weitere 7,6 Prozent wurden nicht planmäßig erteilt. Stattdessen gab es Vertretungsunterricht oder „organisatorische Maßnahmen“, beispielsweise eigenverantwortliches Arbeiten der Schüler.

Regional gibt es beim Lehrermangel deutliche Unterschiede. Während Lehrer besonders in den Ballungszentren offene Stellen suchten, fällt es den Schulen in Dithmarschen oder dem Herzogtum Lauenburg schwerer, Lehrkräfte zu finden. Durch Elternzeit oder längere Erkrankungen erteile ein Teil der Lehrer keinen Unterricht, obwohl dieses Personal formal Planstellen hat.

Abhilfe will die CDU-Politikerin mit einem neuen Planungstool schaffen. Damit will das Ministerium den Lehrerbedarf für die kommenden neun Jahre im Voraus errechnen. „Wir alle konnten in den vergangenen Jahren erleben, dass die Schülerzahlen deutlich über den Erwartungen lagen.“

Die Landesregierung setzt neben den Zulagen seit zehn Jahren vor allem auch auf Quer- und Seiteneinsteiger. Während die mittlerweile 589 Quereinsteiger, von denen allein 126 im laufenden Jahr hinzukamen, auch ein volles Referendariat absolviert haben, verfügen die 336 Seiteneinsteiger im Schuldienst neben einem abgeschlossenen Studium in einem Fach mit besonderem Bedarf auch über mehrjährige Berufserfahrung.  dpa

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