Willy Brandt flüchtete mit 19 Jahren vor dem Krieg aus der Hansestadt – doch kehrte immer wieder gern zurück

Der Lübecker, der Bundeskanzler wurde

Das Willy-Brandt-Haus in Lübeck bietet anlässlich von Brandts 25. Todestag am 8. Oktober Sonderführungen an. J Foto: dpa

lübeck - Von Eva-Maria Mester. Willy Brandt hat in Norwegen und Schweden gelebt, später in Berlin und Bonn. Doch seine Heimatstadt Lübeck hat der SPD-Vorsitzende, Bundeskanzler und Friedensnobelpreisträger nie vergessen. „Er hat den Kontakt zu Lübeck als Politiker und auch als Privatmann nie abreißen lassen“, sagt der Historiker Bernd Rother von der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung.

Am 8. Oktober jährt sich Brandts Todestag zum 25. Mal. „Brandt hat Lübeck ja mit 19 Jahren verlassen müssen, aber er blieb seiner Geburtsstadt zeitlebens verbunden“, sagt Rother. So habe er in den 60er- und 70er-Jahren die Bundestagswahlkämpfe der SPD immer mit einer Kundgebung in Lübeck beschlossen, sagt der Historiker.

Brandt wurde am 18. Dezember 1913 als Herbert Frahm in Lübeck geboren. Er wuchs bei seinem Großvater im Arbeiterstadtteil St. Lorenz auf und engagierte sich früh in der Arbeiterbewegung. 1933 musste er wegen der Verfolgung durch die Nationalsozialisten Deutschland verlassen. Versteckt im Boot eines Travemünder Fischers gelangte er über die Ostsee nach Dänemark.

An die dramatischen Umstände seiner Flucht erinnert eine Tafel an einem Haus in der Travemünder Jahrmarktstraße. „Als damals, mit 19 Jahren, Willy Brandt noch Herbert Frahm hieß, wurde die Fahrt nach Lolleland/DK von diesem Haus des Fischers Johannes Johannsen beschlossen. Der Schwiegersohn Paul Stooß führte dann die Fahrt über die Ostsee mit dem Motorkutter ,Tra. 10‘ in der Nacht zum 3. April 1933 durch“, heißt es auf der Tafel. In Dänemark nahm Frahm den Decknamen „Willy Brandt“ an, den er nicht wieder ablegte.

1945 kehrte Brandt aus dem Exil nach Deutschland zurück. Er wurde Regierender Bürgermeister von Berlin, später Bundesaußenminister und schließlich Bundeskanzler. Für seine Ostpolitik erhielt er 1971 den Friedensnobelpreis.

„Schon Ende 1945 reiste Brandt das erste Mal nach seiner Rückkehr nach Lübeck. Später berichtete er, dass er große Schwierigkeiten gehabt habe, in dem zerstörten Stadtviertel sein Vaterhaus wiederzufinden“, sagt Rother. Das Amt des Lübecker Bürgermeisters, das die Lübecker SPD ihm 1946 angetragen habe, habe er jedoch nach kurzem Nachdenken abgelehnt.

Doch als Privatmann kam Brandt regelmäßig nach Lübeck – allein und auch mit seiner Familie. Mindestens zweimal im Jahr habe die Familie die Großeltern in Lübeck besucht, erinnerte sich Brandts Sohn Peter 2010 laut Medienberichten.

Seit 1972 ist Brandt auch Ehrenbürger der Hansestadt Lübeck, doch eine Gedenkveranstaltung zu seinem Todestag ist nicht geplant. Das sei grundsätzlich nicht üblich, sagte Stadtsprecherin Nicole Dorel. „Dafür ist das Willy-Brandt-Haus zuständig“, sagte sie. Doch auch das im Dezember 2007 zum 100. Geburtstag von der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung eingerichtete Erinnerungs- und Bildungszentrum plant keine Gedenkfeier. „Am 8. Oktober gibt es eine Feier in Berlin, weil dort ja auch sein Grab ist“, sagt der Leiter des Hauses, Jürgen Lillteicher. Am Todestag will das Haus in Lübeck Sonderführungen durch die Ausstellung anbieten. J dpa

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