Straßenbaubehörden kämpfen gegen den Fachkräftemangel

Der Markt ist leer gefegt

Wer will hier noch arbeiten? Bei der Planung von Straßenbauvorhaben macht den Behörden in Schleswig-Holstein aktuell der Fachkräftemangel zu schaffen. Foto: Carsten Rehder/dpa

Kiel – Das Fehlen von Fachpersonal macht den Behörden bei der Planung von Straßenbauvorhaben in Schleswig-Holstein zu schaffen. Aber es gibt laut Verkehrsministerium noch keine Projekte, die allein wegen dieses Problems stocken.

Es sei gelungen, die Bauprogramme durch intensive Zusammenarbeit mit Ingenieurbüros, Rechtsanwaltskanzleien und Unternehmen der Bauindustrie erfolgreich abzuarbeiten, sagte ein Sprecher. Die Praxis zeige aber, dass auch in Ingenieurbüros und in der Bauwirtschaft die Kapazitätsgrenzen erreicht sind. Beide seien auch Konkurrenten bei der Suche nach Fachpersonal.

„Gut 15 Prozent der Stellen in den Planungsbehörden sind unbesetzt“, sagte Verkehrsstaatssekretär Thilo Rohlfs. Die Zahl qualifizierter Bewerber habe spürbar abgenommen.

Nach Angaben des Verkehrsministeriums sind im Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr von 1 422 Mitarbeitern derzeit 97 mit Planungsaufgaben betraut und dabei zehn Stellen derzeit unbesetzt. Im Amt für Planfeststellung sind von den um zehn Stellen aufgestockten insgesamt 44 Arbeitsplätzen zurzeit sieben nicht besetzt. Im Ministerium gilt das für vier von 16 Stellen mit Planungsaufgaben. Darüber hinaus sind auch die Kommunen, die Bundesbehörde Deges und die Autobahn GmbH für Straßenbauprojekte in Schleswig-Holstein tätig.

Der Markt ist weitgehend leer gefegt: Auf je eine offene Stelle bewarben sich im vergangenen Jahr pro Verfahren durchschnittlich 2,5 Bauingenieure und 1,25 Techniker. Erschwerend kommt hinzu, dass infolge des demografischen Wandels jährlich zwischen 25 und 35 Techniker und Ingenieure ausscheiden.

„Auch wenn erste Bemühungen bei der Personalgewinnung Erfolge zeigen, wird es absehbar in den nächsten Jahren weiter einen großen Bedarf an kompetenten Fachkräften geben“, sagte Staatssekretär Rohlfs.

Das Amt für Planfeststellung habe zwar zehn Stellen mehr bekommen, erläuterte das Ministerium. Es sei aber wegen höherer rechtlicher Anforderungen und vieler bedeutender Planfeststellungsverfahren auch infolge der Vakanzen stark belastet. Zeitverzögerungen entstünden zum Teil auch dadurch, dass Planunterlagen nicht vollständig und nicht nachvollziehbar seien.

Gegen den Fachkräftemangel in den technischen Berufen hatte die Landesregierung Ende 2018 ein Konzept zur Attraktivitätssteigerung verabschiedet. Das Konzept sieht die verstärkte Zahlung von Zulagen vor, um Nachteile des Tarifvertrages für den öffentlichen Dienst der Länder zu anderen Tarifverträgen auszugleichen. Außerdem sei die Ausbildung in den technischen Berufen verstärkt worden. Zudem wurde an der Fachhochschule Kiel in Kooperation mit dem Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr ein dualer Studiengang Bauingenieurwesen eingerichtet.  dpa

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